Ganz früher, als ich noch keine Kinder hatte und mir welche gewünscht habe, da hatte ich sehr genaue Vorstellungen von meinem zukünftigen Leben. Immer nur Ausschnitte, aber die auch sehr detailliert.
Ich würde mit den Kindern tanzen und singen. Viel singen. Laut. Ganz oft. Wir würden im Auto sitzen und singen. Uns Geschichten erzählen. Musik hören.
Wir würden malen und herumschmieren, einfach weil es Spaß bringt. Und Plätzchen backen. Und ich würde in bemehlte Kindergesichter sehen, mit roten Bäckchen und zufrieden strahlend.
Wir würden Kuchenteig rühren und naschen, bis uns die Bäuche weh tun. So wie ich das früher mit meiner Oma gemacht habe.
Und wir würden rausgehen und Kastanien sammeln. Und bunte Blätter. Und Kaulquappen.
Und ein Picknick im Regen machen und dabei lachen, weil das Leben so schön ist.
Morgens würden wir durchs Bett toben und noch schmusen und kuscheln und warme und weiche Kinder würden sich vertrauensvoll in meinen Arm schmiegen und ich würde das Glück dieser Welt erfahren.
Abends würde ich die Bettdecke zurechtziehen und noch einmal ganz nah bei ihnen sein – ihrem Atem lauschen und mein Herz verschenken.
Wir würden durch Pfützen springen und bei Wind und Wetter draußen sein. Durch Wälder streifen. Auf Berge klettern. Steine sammeln und Schnecken bestaunen.
Wir würden einkaufen gehen. Alle gemeinsam. Jeder holt seinen Teil, alle harmonieren perfekt miteinander.
Wenn wir zuhause wären, würden die Kinder im Haushalt helfen und kleine Geschenke und Überraschungen basteln und mir überreichen. Ich würde mich freuen und an ganz vielen Stellen in der Wohnung selbstgemalte Kinderbilder aufhängen.
Käme ein weiteres Geschwisterkind dazu, würden alle sehnsüchtig der Geburt entgegenfiebern und sich um das Kleine kümmern und es verhätscheln und lieben. Niemand wäre eifersüchtig, alle wären voller Liebe und Zuneigung.
Natürlich wäre da auch mal Streit. Und nach jedem Streit würden sich die Kinder oder wir uns alle in den Arm nehmen und es wäre wieder gut.
Die Kinder würden gegenseitig auf sich acht geben. Hätte eines eine Verletzung, würden die anderen kommen und helfen. Der eine holt ein Pflaster, der andere pustet und tröstet schon mal.
Sie würden manchmal alle nebeneinander sitzen, miteinander kuscheln und wenn ich um die Ecke komme, mir zublinzeln und im Chor rufen: „Wir haben dich SOOOO lieb, Mami!“
Wann immer ich jemandem einen kleinen Einblick gab, wie ich mir das Leben mit Kindern so vorstellen würde, erntete ich ein leicht amüsiertes bis spöttisches: Na, da sprechen wir uns in ein paar Jahren noch mal.
Und ich verstand nicht.
Inzwischen sind viele Jahre vergangen und ich würde die Menschen gerne noch mal treffen, die meine Träume und Vorstellungen damals ins Reich der Utopie schoben.
Und sagen:
Seht her.