Ankommen

Schnelle Geburt, schnuffeliges Baby, viel Milch, Stillen, Träumereien, Kennenlernen, Ruhe, Muße, im Bett bleiben, sich verwöhnen lassen, ankommen…

Ich habe in nun 5 Tagen gelernt, dass das diesmal nicht klappt.

Mein Körper ist schwer traumatisiert nach der Geburt, ich habe unter den Presswehen einige grausame Flashbacks erlebt, die auch 5 Tage später immer noch meinen Geist in die Knie zwingen, wenn ich mir einen flüchtigen Blick darauf erzwinge, es mischen sich grenzenlose Energie und die körperliche Erschöpfung aus 9 Monaten Schwangerschaft, in der sich Muskeln und Kapazitäten enorm zurückgebildet haben und ich schwanke zwischen Schlafmangel, viel zu viel Blut, Tränen der Verzweiflung und der Freude und körperlichen Schmerzen, die ihresgleichen suchen.

Romantisch ist das alles wohl nicht.

Mitten im Kampf traf ich Sonntagnacht eine Entscheidung, die eine Gute war.

Loslassen.

Immer noch gebären, dies alles.

Ein neues Leben. Seins wie unseres.

Das neue Leben als Familie muss nicht so klappen, wie wir uns das wünschen oder gedacht haben oder wir es kennen.

Es muss für uns funktionieren. Im Hier. Im Jetzt. Jeden Tag und jedes Mal neu. Ich darf mich verwundet fühlen. Ich bin es. Damals wie heute, wo das alles wieder hochgeholt wurde.

Wenn mein Geist von Erinnerungssequenzen überflutet wird, wie ich angebunden und geknebelt dort liege, Geschlechtsteile und Brüste blutig und verletzt, dann muss ich kein Kind stillen.

Dann darf ich auf den Schrank mit den Flaschen zeigen und einfach nur warten. Langsam weitergehen. Allein. Um dann einige Stunden später freiwillig und nur der Liebe geschuldet mein Kind wieder ans Herz zu drücken und es zu ernähren. Weil ich bereit bin. Achtsam. Mir selbst gegenüber. Ich habe diese Wahl.

Und seit ich mich selbst nicht mehr ans Licht zwinge, sondern es ertragen kann, einen Moment in der Dunkelheit zu kauern, wird es wieder heller.

Ein entspannter kleiner Mensch ist er, der kleine Wanderer.

Er macht es mir so leicht, weiterzugehen.
Mit Tränen.
Mit viel Wut und Verzweiflung und Trauer.
Mit viel Liebe.
Immer Hand in Hand.
Seite an Seite.

Ankommen.

Schreibe einen Kommentar