Heute nur knapp eine Stunde.
Dafür waren die Motte und ich ungefähr 20 Mal Händewaschen. Große Panik in den Augen, widerwilliges loslassen, Erleichterung. Immer und immer wieder.
Ziel ist es, eine Art Abstumpfen und Sicherheit in einem zu erreichen.
Die Welt geht nicht unter, wenn ich alleine bin.
Mama kommt immer wieder.
So irgendwie.
Das Mottenkind krähte jedes Mal begeistert, wenn ich kurz mitteilte, dass wir jetzt unbedingt Händewaschen/auf Klo/den Kalender holen/was trinken müssen. Unsere Lieblingserzieherin lächelte mitleidig und kümmerte sich. Das hat heute gut geklappt.
Aber er war an der Grenze. Wir hören auf, wenn es gut läuft. Heute war es fast zu spät. Er hörte schon nicht mehr, ich vermute, das Adrenalin rauschte durch seine Adern und ich verkündete mitten im Spiel, dass wir jetzt sofort gehen.
Einen Schritt vor der Tür brach er dann zusammen. Ich nahm ihn wie ein Baby auf den Arm – den fast Vierjährigen – während die eineinhalbjährige Motte laut krähend nebenher lief.
Die Blicke. Ich ignoriere sie. Die wohlmeinenden Ratschläge der Muttis, die mit einem Kind natürlich wissen, was man alles besser machen könnte. Natürlich. Und ich spreche nicht über meinen Sohn, wenn er daneben steht.
Das muss nebenher noch ausgestanden werden. Die Ablehnung, der Schutzwall nach außen, während ich für ihn auf meinem Arm weich und offen sein muss. Der Spagat ist grauenvoll.
Ich trug ihn zum Auto und er wippte nur noch hin und her, um sich zu beruhigen. Das sind die Momente, in denen ich einfach loslassen möchte, mich ein bisschen an den Bordstein setzen und nur noch still vor mir hinweinen will. Manchmal ist der Gedanke übermächtig, dass es nicht weitergeht.
Dass wir uns immer nur auf der Stelle drehen…
Wir sind wieder zuhause und ein großer Anfall ist schon ausgestanden.
Kurz durcharmen, still sein, innehalten.
Gleich gehts weiter.