Verlust der Intimität

Warum sollte man sich auf eine intensive Mensch-zu-Mensch-Kommunikation beschränken, wenn man auf einen Klick in seinem Blog gleich zwanzig Meinungen zu seinem Problem haben kann?
Der Verlust und vielleicht auch die Unlust, im privaten Gespräch oder Schriftverkehr mit einer oder mehreren einzelnen Personen in nahe und vielleicht sogar verstörende Interaktion zu treten, schützt letztendlich vor der Gefahr, sich selbst zu nahe zu kommen. Dies gilt für Blogs wie Foren gleichermaßen. Für letztere vielleicht sogar noch besonders, da man sich in vermeintlich geschützter Atmosphäre der Illusion hingeben kann, unter Freunden zu sein.

Das Problem als Prostituierte, das man anklicken und kommentieren kann, nicht um zu helfen, sondern um sich selbst darzustellen.
Denn natürlich beäugen die Anderen kritisch jedes Wort, wägen ab, beziehen Stellung und nutzen schlussendlich das Problem, sich unter dem Deckmantel von Freundschaft und Hilfsbereitschaft selbst zu erhöhen.
Blogosphäre weniger als soziales Netzwerk denn als Flucht vor sich selber.

Das Herz will nicht geschützt, es will offenbart werden.
Die dazugehörige Twitter-Timeline als Kammerflimmern.

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