Es schaudert mich jedes Mal, wenn ich diese Zahl in meinem Mutterpass lese. Schwangerschaft: 9
Geburten: 3
Jeder Tag, der vergeht, bringt mich näher an mein Ziel. Geplant war früher so vieles. So jung und so unbeschwert. 5 gemeinsame Kinder wollten wir haben. Auf jeden Fall. Und wir waren ja noch jung. Und dann, dann kam alles anders. Leben kann man nicht planen. Den Tod auch nicht. Und doch muss man ihn einplanen, ob man will oder nicht.
5 Kinder. Kein Problem, dachte ich. Die Schwangerschaften waren alle nicht schön, sehr schwierig und grenzwertig für mich, aber man muss eben auch in Vorleistung treten, wenn es darum geht, Träume zu verwirklichen.
Dass das Leben andere Pläne für uns bereithalten sollte, davon wollte ich nichts wissen.
Ich habe in den vergangenen Jahren auf die harte Tour gelernt, was Dankbarkeit heißt. Dankbarkeit für ausgetragene Schwangerschaften. Für lebende Kinder. Für das Leben mit Kindern.
Jeder Tag, der vergeht, den ich mein neuntes Baby spüre, tief in meinem Bauch, unter meinem Herzen, so groß schon und doch noch so winzig, macht mich demütiger. Wir sind auf eine Totgeburt vorbereitet. Seltsam, das, mit lebendem Baby im Bauch. Und doch hat das Leben uns gelehrt, auch den Tod in unsere Vorbereitungen mit einzubeziehen.
Ich wünsche mir nicht Gesundheit, nicht Unversehrtheit, nicht mal Leben, wenngleich die Hoffnung stark ist. Aber zu wünschen, zu rechnen, erscheint mir vermessen.
Tief im Herzen weiß ich, dass dies meine letzte Schwangerschaft sein wird.
Der Körper, das Herz und die Seele haben viel ertragen, die letzten Jahre. Gelitten, geweint.
Diesen unseren Traum von damals, als wir noch planten und träumten, kann ich gehen lassen.
Hoch war der Preis, den wir gezahlt haben. Und dann wieder doch nicht. Unendlich die Liebe, die wir dabei erfahren haben. Unerschöpflich groß die Kraft, die wir einander gegeben haben.
Und doch.
Ein Kind wird mein Körper noch gebären. So oder so.
Und es wird gut sein.