Besuch – Mirlinda

Der Tumor drückt inzwischen auf das Sprachzentrum. Keine Worte mehr möglich, keine Laute, nichts mehr.
Und umso kostbarer war das sehr angestrengte tiefe Seufzen, direkt aus ihrer Seele, gefolgt von einem winzigen Lächeln, das so viel Kraft gekostet haben muss, dass sie – das Einhorn, das meine Tochter ihr schenkte, fest umklammert – noch während unseres Besuchs wieder einschlief.

Kräftesammeln. Das Tochterkind ist stumm, nachdenklich. Nicht ängstlich, nur unsicher.
Ich bin erschöpft. Von meinem Ringen vorher, hinzufahren oder nicht und von dem Einlassen auf den Tod. Und von dem direkten seelischen Kontakt mit dieser wunderbaren Frau, die ihre Tochter auf ihrem letzten Weg so aufrecht begleitet.

Übermorgen wieder.

Schreibe einen Kommentar