Wehen

Sie begleiten mich schon einige Wochen, immer mal wieder, immer nur kurze Zeit – eine Stunde, zwei Stunden… aber als deutliches Zeichen: Stopp – bis hierhin und nicht weiter.
Und so absurd es mir vorkommt, denn ich habe nur 3 Kinder, die auch noch in einem Alter, in dem sie notfalls wirklich alles alleine machen können und ein relativ geordnetes und übersichtliches Leben, ich mache langsam.
Ich watschle durch Supermärkte, über Spielplätze, durch die Gegend, ich brauche gefühlt 20 Minuten für 4 Treppen – ich watschle so durch mein Leben, um dieses Kind nicht zu gefährden.

Die einfachsten Sachen sind nur noch sehr eingeschränkt und sehr langsam möglich und das kotzt mich sehr an. Im gleichen Atemzug bin ich grundlegend dankbar, nicht liegen zu müssen, noch die Wahl zu haben, die Dinge überhaupt tun zu können, wenn auch auf eine Art, die mich innerlich Amok laufen lässt.

Ich bin unruhig, innerlich. Sehr. Meine Haut spiegelt meine Seele wie immer durch massive Neurodermitisanfälle, Juckreiz und Schmerzen. Meine Narben haben sich in den letzten Tagen dort wieder intensiv rosarot gefärbt, wo schon ein sanftes Perlmutt schimmerte, das ihr Alter verrät. Bah, alles. Erinnerungen hängen leuchtend bunt und kreischend in der Luft, wo ich auch hinsehe. Meine Mutter, an vorderster Front, und Ekel und Würgereiz überkommt mich.

Auch hier, Wehen. Geistig. Ich versuche, die Bilder zuzulassen, in sie hineinzuatmen, die Tränen zuzulassen, wenn sie kommen und Schritt für Schritt weiterzugehen. Ich bin sicher. Ich kann das. Ich schaffe das. Berührungen sind fast unerträglich geworden, mir graut es wie jedes Mal vor dem Stillen des Babys. Immer noch triggert gerade der Brustbereich auf grausame Art und Weise.

Ich sehe sie wieder vor meinem Bett sitzen, streicheln, sich langsam vortasten, mir in meine Abwehr sagen, ich solle mich doch nicht so anstellen…
Hier fahren die Wächter aus ihrem Schlaf und lassen mich in tröstender Dunkelheit versinken.

Und ich gehe weiter im Alltag. Aufstehen, mich um alles kümmern, 12 Stunden später dankbar sein, dass da noch zwei Hände sind, die die beiden Abendstunden übernehmen können, schlafen. Bis zum nächsten Morgen. Oft liege ich wach und denke über den nächsten Schritt nach. Keine Kinder mehr. Familienplanung abgeschlossen. Mein Herz schreit, wimmert, bittet… und der Bauch und der Kopf atmen auf. Ich merke, wie ich schwächer werde. Neunte Schwangerschaft. Mein Körper wehrt sich und ich verstehe ihn so gut.

Allein, mein Herz…
Wehen veratmen. Im realen Leben und auch hier im Schreiben.
Der Bauch kommt langsam wieder zur Ruhe, ich warte darauf, meinen Sohn heute vielleicht spüren zu dürfen, nur ein kleines Zeichen.

Vielleicht später.

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