Wie tief der Stachel der Erinnerung noch im Fleisch meiner Seele sitzt, kam mir heute durch einen unerwarteten Unfall zu Bewusstsein.
Nach einer Stunde Krankenhaus, einer wieder zusammengenähten Motte und vielen Nerven weniger, die ich irgendwo zwischen Ärzten, Krankenhausflur und weinenden Geschwistern verloren haben muss, brachten wir das Mottenkind irgendwann ins Bett.
Mit geschwollenem schiefen Gesicht, ein paar Nähten und noch reichlich Blut überall. An mir, an ihr, am Mann, am Esel… Ich trag das vollgeblutete T-Shirt immer noch – es fehlt die Kraft, nun noch etwas anderes zu suchen. Wozu denn auch. Vielleicht ist es auch einfach unwichtig.
Im anschließenden Gespräch mit dem Mann auf der Suche nach Erleichterung holt er plötzlich eine Erinnerung hoch, die ich schon vergessen glaubte und es zerreißt mein Herz endgültig.
Ich sehe mich mit meinem neugeborenen Sohn nach der ersten Nacht seines Lebens, wie wir dort liegen, so zweisam, dreisam, so intim, dass ich glaube, dass dies der dichteste Moment meines Lebens sein würde, gefangen im Zauber dieses einmaligen Augenblicks… die Welt steht still. Bis der Mann…
Meine Seele bricht, ein ums andere Mal.
Heute Abend wurde diese schwärende schwarze Wunde wieder geöffnet, die ich schon verheilt und vergessen glaubte. Um mich zu schützen? Um ihn zu schützen? Unsere Beziehung?
Die Erschöpfung bricht durch, mein Geist verschließt sich. Dies ist noch möglich, das Aufschreiben, Wegschreiben, Wegdrängen, das Ausspeien des Giftes…
Und doch hat es bereits meine gesamte Seele durchzogen und ich frage mich, wie ich so blind geworden bin…
Ich sehe das Licht nicht mehr.