Ich bin doch kein Mädchen!

Dieser Satz in endlosen Variationen und Intonationen schallt seit einiger Zeit durchs Haus. Der Kobold hat im Rahmen seiner neuen Männerfreundschaften beschlossen, dass es da gewisse Dinge gibt, die einer Geschlechtsumwandlung gleichkommen. Lila Kleidung, zum Beispiel. Oder einem Schmetterling auf einer Tasche. Oder Herzen auf Bettwäsche.

Seine Kleider zieht er schon lange nur noch zuhause an, sein türkisfarbenes Lieblings-T-Shirt mit der Blume und das heißgeliebte dunkellila Hello Kitty T-Shirt habe ich vor zwei Wochen auf seine Anweisung hin in die Winterkiste gelegt und seine neue Wäschefarbe ist definitiv dunkelblau.
Männlich herb eben.

Zum Glück vergisst er noch ziemlich oft, dass er ja eigentlich gar kein Mädchen ist und spielt mit seiner Barbie, mit seinen rosa Sachen, die er sich ausgesucht hat, zieht sich zuhause nach dem Kindergarten auch gerne noch mal um und dann darf es ab und an sogar noch helle Kleidung sein.  Manchmal vergisst er es aber nicht, besonders nach diesen Vormittagen, an denen er intensivst mit der Männergruppe im Kindergarten in Kontakt kam. Und diese Nachmittage sind die Hölle. Da wird abschätzig über Spielzeug der Mädchen gesprochen, die rosa Lieblingsbettdecke verachtend in die Wäsche getragen, alles, was auch nur einen Hauch von rosa, lila, gelb, rot aufweist, in die Ecke der kleinen Schwester geworfen und der Standardsatz „Ihr seid ja nur Mädchen, ihr könnt das nicht!“ trotzig gegen eine Mutter, eine kleine und eine große Schwester gebrüllt.

Ich weiß, dass er schwer daran zu tragen hat, im Kindergarten gehänselt worden zu sein.
Ich weiß, dass er es hasst, seine Lieblingsschuhe zu tragen und dann zu hören, das wären Mädchenschuhe.
Ich weiß, dass dieses Verhalten Schutz ist.
Ich weiß, dass ich ihn nur begleiten, ihm den Weg aber nicht freikämpfen kann.
Mir bleiben nur meine Mantras, ruhig bleiben und manchmal auch meine Wut, die er zu spüren bekommt, wenn er respektlos wird.

Und wenige Momente nach seinen schlimmsten Tobsuchtsanfällen habe ich so oft ein schluchzendes zartes Bündel Mensch in meinem Arm, das mir erzählt, wie doof das ist, wenn man doch ein Junge ist und alle sagen, man wäre ein Mädchen.
Nur wegen der blöden Blume auf dem T-Shirt.
Blumen wären ja generell blöd.
Dann nicke ich und stimme zu, dass Blumen schon ziemlich doofe Pflanzen sein können, trockne seine Tränen und irgendwie ist die Welt dann doch wieder schön.

Bis zum nächsten Mal.

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