Ich bin so wütend. Und diese Wut ist so sinn- und nutzlos. Dadurch geht es nicht voran. Und ein halbes Jahr reden, motivieren, planen zieht sich inzwischen so endlos und zäh wie Kaugummi unter meiner Schuhsohle.
Ich erinnere mich so gut an all die Tränen, an den Umschwung, etwas verändern zu wollen… Sechs Monate sind es nun und es geht voran. Langsam. Mit Rückschritten. Und mein Nervenkostüm wird dünner, je schwerer ich trage und je näher die Geburt rückt.
Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. So nicht. Und ich kann nichts tun.
Vielleicht hat er nicht nur sich selbst betrogen, sondern auch uns. Es ist keine Verschnaufpause möglich, hier, mit den Kindern, in einer Zeit, in der ich so mühsam nur noch vorwärts komme, immer die Bitte auf den Lippen, dass auch ich mal eine Pause brauche. Eine kleine nur. Nur ein bisschen… Nur einmal durchatmen.
Es ist nicht möglich, es muss vorangehen. Und ich sehe seinen Berg und ich sehe meinen, der dadurch auch immer weiter wächst, ohne dass ich die Möglichkeit hätte, ihn abzutragen. Es liegt so sehr in seiner Hand, dass ich innerlich wüte und rase, weil mir die Hände gebunden sind, ich nichts anpacken kann mit der Aussicht auf Erfolg und Besserung, es ist mir nichts weiter möglich, als abzuwarten und auszuharren, einmal mehr.
Lektionen in Demut, auch hier.
Jeder Tag, der vergeht, schränkt mich mehr ein. Die Luft wird knapp, die Nerven jaulen auf, zusätzlich zu allem anderen. Die Vergangenheit steht groß und dunkel direkt hinter mir, manchmal drehe ich mich um, manchmal versuche ich einfach, einen Schritt nach dem anderen zu tun, ohne zurückzublicken.
Und dann ist da wieder diese Wut, nicht alles in den Händen zu halten.
Nur ohnmächtig darauf warten zu dürfen, dass ein Anderer endlich begreift…