Es wird Zeit, dass der Umzug weitergeht. Unsere neue Nachbarin unten ist nicht nur sehr gesprächig, so dass ich von ihrer zerrütteten Ehe über ihr Rückenleiden und ihre Menstruationsprobleme bis hin zum Stuhlgang ihrer Katzen genauestens über alle Unannehmlichkeiten informiert bin, nein, sie ist auch noch äußerst … umtriebig.
Und so kommt einem beim Betreten des Treppenhauses erst einmal eine Wand Rauch entgegen, die ihr zahlreicher Besuch beim Stehen im Treppenhaus hinterlässt, vor der Tür auf zwei Quadratmeter Flur drängeln sich zwei Kinderwagen von Besuchern, so dass ich tatsächlich mit Baby auf dem Arm einen davon erst in die Kellertür schieben muss, um vorbeizukommen, es kommen täglich ungefähr 3 Pakete an, die allesamt mit verschiedenen Unternehmen geliefert werden und natürlich klingelt der nette Postbote hier bei mir, wenn unten aufgrund der lauten Musik niemand aufmachen kann.
Ich bin da ja verständnisvoll. Beim Abgeben der Pakete riecht es aus der Wohnung nach einer Mischung aus Rauch, Schweiß, Sex und Katzenkacke und es dröhnt der Fernseher in den Flur – den erregten Stimmen nach zu urteilen immer irgendwas zwischen TalkShow und Frauentausch.
Ich weiß, dass ihr Hauptliebhaber älter ist als ihre Mutter, was aber auch nicht schwer ist, weil ihre Mutter nur 15 Jahre älter ist als sie – dass sie ihren Mann in flagranti mit ihrer besten Freundin erwischt hat und dass sie Katzen sammelt wie andere Menschen Briefmarken.
Und so bleibt mir nur, eine weitere Umzugskiste zu packen, die Pakete abzugeben und den Kobold jedesmal verständnisvoll anzusehen, wenn wir an ihr vorbeigehen und er mir dann auf der Treppe nach oben leise zuflüstert:
„Unmöglich sagt man nicht über Leute, oder Mami?“
Bald haben wirs geschafft.