Seltsam, heute Morgen.
Beim Spaziergang kommt mir diese Nachbarin vom Ende der Straße entgegen.
Sie sieht immer ein wenig so aus, als wäre sie auf der Flucht vor ihren eigenen Dämonen. Altes Gesicht auf noch gar nicht so altem Körper.
Verlebt, faltig, ängstlich, kaputt.
Vielleicht zu viel Alkohol, vielleicht Schläge, wer weiß schon, was sie in ihrem Rucksack mit sich trägt.
Vor dem Bauch trägt sie ein zitterndes Bündel Hund, ich grüße, bleibe stehen und lächle freundlich.
Wir stehen da, Auge in Auge, ich ein Baby im Tuch vor dem Bauch, sie diesen ängstlich zitternden Hund, der ihr so ähnlich sieht.
„Sie haben ja noch ein Baby bekommen…“, lächelt sie zaghaft und blinzelt verlegen.
„Ja.“, sage ich.
Der kleine Tuk wirft nur einen kurzen Blick auf mein Gegenüber und knipst plötzlich alle Lichter an. Er, der so schnell fremdelt und ein Schnütchen zieht, strahlt plötzlich bis über beide Ohren.
Ich kenne das von meinen Kindern im Babyalter und kann akzeptieren, dass sie andere Dinge in meinen Mitmenschen sehen können als ich, die ich durch so viel mehr Lebenserfahrung immer mit Wertung und Blindheit geschlagen bin.
„Warum lacht er mich denn so an?“, fragt sie fassungslos in das breit lachende Gesicht meines Sohnes.
Ich sage: „Manche Menschen mag er einfach, wenn er sie sieht. Und dann strahlt er eben.“
Es geht ein ungläubiger Ausdruck über ihr Gesicht und ich spüre förmlich, wie sie sich in sich zurückzieht, kriecht, dorthin, wo sie meint, sein zu müssen, wenn etwas Unerwartetes geschieht.
„Oh.“, macht sie und geht hektisch weiter.
„Haben Sie einen schönen Tag!“, rufe ich noch hinterher.
Ich glaube, sie hat es nicht mehr gehört.