Als wir unsere Kinder für morgen auf deren Wunsch hin verabredeten, war alles noch okay.
Bis sie sich nach dem Abschied noch mal umdrehte und anfing: „Duuuuu, sag mal… ich hab deinen Mann schon mal öfter beim Sozialamt gesehen… so viele Männer von seiner Größe und mit dieser hünenhaften Statur laufen hier ja auch nicht rum… was macht der da?“
Meine Betriebstemperatur stieg deutlich an, während mein Lächeln auf Minusgrade abkühlte. „Er arbeitet dort.“
Und plötzlich wich die Neugierde in ihrem Blick echtem Interesse. Mein Blut kochte hoch. Ich hatte das geahnt. Gerade bei ihr.
„Ahhhhhsoooo…“, murmelte sie. „Ist aber gehobener Dienst, oder? Ich hab da auch schon mal versucht, einen Kerl kennenzulernen, aber es arbeiten ja so wenig Männer dort.“
Ob dieser unglaublichen Dreistigkeit fehlten mir einfach nur die Worte.
Ich weiß, wie sie ist, ich verstehe sie sogar besser, als sie ahnen würde, aber das ist wirklich bar jeder Form des Anstands.
Ihr momentaner Lebensabschnittsgefährte und von ihr vermuteter Vater einiger ihrer Kinder sitzt fünf Meter von uns entfernt in ihrem Auto. Ist wohl gut für sie, dass er unsere Sprache nicht spricht. Sie plappert munter weiter – bei mir verkrampfen sich Seele und Herz gerade zu einem riesigen Eisklumpen. Ich höre noch Dinge wie finanziell ausgesorgt, versorgt und dann tatsächlich die Schätzfrage nach seinem Gehalt mit einen hohen vierstelligen Euro-Betrag, der mit einem Fragezeichen endet.
Ich schlucke einmal trocken und versuche, meine zusammengepressten Lippen auseinander zu bekommen, verabschiede mich ohne eine Antwort auf ihre Frage bis morgen und wende mich ab.
Es gibt ein Wort für so etwas.