Rassismus

„Ich spiele lieber mit Kindern, die meine eigene Hautfarbe haben.“, rotzt sie mir entgegen und ich kann kaum anders, als sie entgeistert anzustarren.

Ich bin heute mit meinen drei sehr hellhäutigen Kindern und einem dunkelhäutigen Kind auf dem Spielplatz. Ich starre immer noch. Ich überlege, ob ich es ignorieren soll. Ich kann nicht.

„Warum?“, frage ich.

Sie denkt kurz nach. „Weil sie so sind wie ich. Ich bin lieber mit jemandem zusammen, der so aussieht wie ich.“

Ich bin ratlos. Ich kann sie so gut verstehen. Da ist kein Rassismus in ihrem Blick, keine Diskriminierung, nichts Politisches. Sie ist ein Kind. Natürlich sucht sie jemand Gleichen. Und doch… Gedanken toben in meinem Kopf. Wie würde ich reagieren, wenn eines meiner Kinder diese Gedanken genau so gegenüber Fremden äußern würden? Ich sehe gedankenverloren auf die dunkle Haut unseres Besuchskindes.

Zwei Paar Schuhe, merke ich, aber merken es die anderen auch? Oder wären meine Kinder dann die weißen Rassisten?

Sie sieht mich an. Sie erzählt von Y., einer Freundin, die bei ihr wohnt. „Sie ist eine von uns.“, sagt sie und zupft an ihrer Haut.

Ich habe mich so sehr auf sie konzentriert, dass ich die Motte kurz aus dem Blick verlor. Sie steht ratlos neben uns und blickt traurig.
„Motte?“, frage ich.
Sie sieht unser Besuchskind an. „Ich find es so doof, dass du mich nicht magst, weil ich helle Haut habe. Ich kann doch nichts dafür.“

Sie schnieft. Sie hatte heute einen harten Tag und das ist so ziemlich das letzte, das ich ihr für heute gewünscht hätte. Das Besuchskind zuckt die Schultern: „Dunkle Haut ist eben einfach besser.“

Sagt es unbeschwert, nimmt die Motte an die Hand und springt mit ihr davon. Ich sehe, dass das in ihr arbeitet. Aber sie wird es fünf Minuten später vergessen haben.

Ich nicht.

Mir hängt es immer noch nach. Sehr.

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