Durchbrochenes Schweigen

Wie immer starre ich die leere Eingabemaske an.

Wie immer habe ich tausend Dinge auf der Seele liegen, die ich gerne bloggen würde. Und wie immer schließe ich das Fenster nach einigen Minuten. Um es wieder zu öffnen. Und wieder zu schließen. Früher, da war es leichter. Ich bloggte über mich, hatte nur ein Kind und alles war relativ leicht.

Die wirklich relevanten Erziehungs-, Moral- und Gewissensfragen erörtert man nicht beim ersten Kind und schon gar nicht, wenn es erst zwei ist. Es triggert mehr als früher. Vieles. Sie ist nicht mehr zwei, sie steht an der Schwelle zur Pubertät.

Es ist nicht mehr ein Kind, es sind vier. Es ist nicht mehr nur frische Verliebtheit, es sind dazu noch 7 Jahre Beziehungsarbeit mit unfassbar schwarzen Tiefen, durch die wir gewatet, geschwommen und manchmal auch nach Luft jappsend nur gepaddelt sind.

Ich muss mich mit anderen Dingen auseinandersetzen, die sehr viel gefährlicher für mein Seelenheil sind. Sie nähert sich langsam diesem Alter, meinem. In dem ich angefangen habe, diese Dinge zu tun. In dem ich angefangen habe, wie eine Ertrinkende das Leben zu atmen bis es mich fast zerrissen hat.

Ich weiß, sie ist nicht ich.
Ich bin nicht sie.
Und doch tanzen wir umeinander.
Bewege immer wieder, jeden Tag die Gedanken dazu, was sie über mich wissen darf.
Es gibt keine Zeitzeugen mehr.
Ich bin die Letzte.

Wenn ich schweige, stirbt dieses Wissen mit mir.
Wann werde ich sterben?
Wieviel Zeit bleibt mir noch, eine Antwort auf diese Fragen zu finden?
Was kann ich ihr zumuten?
Was will ich ihr zumuten?
Was will ich mir zumuten, dieses Wissen in anderen Händen zu wissen?
Schreibe nichts.
Denke alles.

Was, wenn ich nicht mehr bin?
Was will ich hinterlassen?

Zweifel, ganz grundlegend, auf jeder Ebene.
Mein Leben ist momentan untrennbar mit meiner Erziehungsarbeit verbunden.
Sie macht einen großen Teil meines Alltags aus.
Ich bin kein Freund davon, Kinder laufen zu lassen.

Erziehung ist Ausbildung.
Ausbildung ist harte Arbeit.

Da ist noch der Teil, der versucht, einem Gefährten zu ermöglichen, was ich selbst schon alles hinter mir habe. Im Rahmen dessen, wie es momentan möglich ist.

Und schlussendlich ich.
Ich bin müde.
Ich bin hochmotiviert.
Ich liebe mein Leben.
Ich kämpfe tagtäglich um Licht und die Möglichkeit, es lieben zu können.

Lebe mein Leben mit Kindern mit der Selbstverständlichkeit, sie erziehen zu dürfen. Marschgepäck packen für ihr späteres Leben. Immer ein Teil mehr, je stärker sie werden. Und doch wankt diese Sicherheit.

Auch davon kann ich nicht schreiben, weil das so eng mit dem Gefährten und seinen ureigenen Bedürfnissen zu tun hat, dass ich mir wie ein Verräter vorkäme, selbst nur meine eigenen Gedanken darüber zu formulieren.

Bleibt das Schweigen.

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