Achtsamkeit

Ich bin selber dafür verantwortlich, wie es mir geht.
Ich entscheide, wie oft und wie lange ich Pausen brauche.
Wie lange und wie oft ich schlafe, esse, arbeite.

Also bestell deinen Garten
und schmücke selbst dir die Seele mit Blumen,
statt darauf zu warten, dass andere dir Kränze flechten

Ich kann das ganze Gedicht auswendig hersagen, es begleitet mich nun schon so lange.

Es jährt sich der 10. Geburtstag meiner Tochter.
Der 10. Jahrestag meines eigenen Todes.
In so vielerlei Hinsicht.
Reanimiert ist ein so hässliches Wort.
Ich bin damals bei der Operation in mehr als nur einer Hinsicht gestorben und wieder ins Leben zurückgeholt worden.
Meine Definition einer Mutterrolle zwang mich dazu, mich dem Leben zu stellen.

Nach draußen zu gehen.
Einzustehen.
Für mich, meine Kinder, meine Überzeugungen, für Recht und Moral.
Für jemanden, der fast ein Jahr lang unter einem Tisch gelebt hat, war das ein großer Sprung.

Mich selbst habe ich in diesen 10 Jahren verloren.

Ich kann nicht mal sagen vor dieser Wiedergeburt, sondern muss noch weiter zurückgehen in die Zeit, bevor alles zerstört wurde.
Es war ein langsames Sterben auf diesen Tod unter ihrer Geburt hin. Siechend. Seit Monaten, seit sicher ist, dass ich kein Kind mehr austragen werde, wächst dieser Gedanke.

Dieses Streben nach mir. Mich wiederfinden zu wollen in dem, was ich mir für die nächsten Jahre als meine Arbeit ausgesucht habe.

Trotzdem. Deswegen.

In meinem Kopf herrscht heilloses Durcheinander, alte und altbekannte Verhaltensmuster schreien gellend gegen jeden neuen und doch so vertrauten Gedankengang.

Freiheit.

Und ich sehne mich zurück in meinen alten Körper und meinen alten Geist, die jeden Tag in der Überzeugung begonnen, dass es nur dies eine ist, was ihnen bleibt.

Nur dieser eine Morgen, nur dieser eine Tag.

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