Die Polizei kontrolliert wieder im Schulviertel, ob alle Kinder in den Autos angeschnallt sind.
Wunderbar, wie ich finde.
Auch gerne öfter.
Autos müssen rechts ran fahren, vier Polizisten kontrollieren per Blick in den Innneraum, ob die Kinder angeschnallt sind, die Autos dürfen weiterfahren. Ich werde rausgewunken, weil wir hinten komplett blickdichte Scheiben haben.
Ich lasse das Fenster runter. Ich lächle und wünsche einen guten Morgen und bin erfreut zu sehen, dass wir einen aus Kindergarten und Schule bekannten Polizisten erwischt haben, den die Kinder schon kennen.
„Darf ich hinten einmal aufmachen?“, fragt er und ich nicke.
Völlig verdrängend, dass der närrische kleine Tuk gerade fremdelt was das Zeug hält und die Tür genau auf seiner Seite aufgemacht wird.
Es kommt, wie es kommen muss, er brüllt los.
Laut.
Sehr laut.
Ich hechte aus dem Auto und der Polizist murmelt erschrocken, dass er dann mal auf die andere Seite geht. Ich nicke und versuche, den kleinen fusseligen Tuk zu beruhigen. Der Polizist öffnet die Schiebetür auf der anderen Seite und begrüßt die Kinder.
Der Kobold sitzt in der zweiten Sitzreihe schulfertig und kuckt misstrauisch auf den Mann.
„Bist du ein richtiger Polizist?“
Die gelbe Warnweste irritiert anscheinend.
„Ja.“, versichert dieser und wendet sich der Motte zu.
Die sitzt in vollem Prinzessinnenornat hinten auf der dritten Sitzbank.
Krone, Ohrringe, Ring, Täschchen, Zauberstab.
„Oh!“, macht der Polizist erfreut. „Du siehst ja schick aus. Eine echte Prinzessin heute Morgen! So eine schöne Krone!“
Die Motte zieht die Augenbrauen zusammen und erklärt ihm leicht mürrisch: „Die Krone ist nicht geklaut! Echt nicht!“
Ich kucke entgeistert nach hinten. Der Tuk schluchzt nur noch und ich will gerade etwas sagen, als der Kobold wichtig hinzufügt:
„Das Auto ist auch nicht geklaut!“
Ich verschlucke mich fast, als er nachsetzt: „Und wir sind auch nicht auf der Flucht! Wirklich nicht!“
Ich ahne, dass die vielen Diebes- und Polizistengeschichten mir gerade aufs Butterende schlagen.
„Mama ist auch nicht zu schnell gefahren!“ Er blickt mich fragend an. „Du bist noch nicht zu schnell gefahren, oder, Mamimausi? So wie letzte Woche, als wir zu Toys’r’us gefahren sind und du 140 gefahren bist, obwohl nur 130 erlaubt waren?“
Ich schwöre mir kurz innerlich, mit den Kindern nie wieder irgendwohin zu fahren, als er sich beschwichtigend an den Polizisten wendet: „Mami fährt wirklich nicht oft zu schnell. Nur manchmal, wenn wir jemanden verfolgen!“
Zufrieden, mir bei der Polizeikontrolle geholfen zu haben, lässt er sich wieder in seinen Sitz sinken.
Ich starre fassungslos zu dem Polizisten, der krampfhaft versucht, ein Grinsen zu unterdrücken, als die Motte ihrem Bruder zu Hilfe kommen möchte. „Oder wenn WIR verfolgt werden.“
Ich denke über Hausarrest nach.
„Und angeschnallt sind wir auch immer. Außer einmal, als Mami uns alle in den Kofferraum gesperrt hat und mit uns losgefahren ist!“
Ich erinnere mich dunkel, als ich beim Autosaugen tatsächlich noch 20 cm zurücksetzte und dafür die Sitze nicht mehr alle einbauen wollte, weil das Auto schon leer war. Meine Gesichtsfarbe hatte inzwischen wohl ein tiefes dunkelrot erreicht.
„Mami sperrt uns aber nicht oft ein!“ , fügt der Kobold wieder hilfreich hinzu.
Ich denke über Prügelstrafen nach.
„Muss Mami jetzt ins Gefängnis?“
Ich sehe die aufkommende Panik in seinem Gesicht.
Mein Babykobold.
Wie süß, er macht sich Sorgen um mich. Ich gebe ein beruhigendes „Natürlich muss ich nicht ins Gefängnis, Kobold.“ von mir, als er sich wieder dem Polizisten zuwendet.
„Sonst müssten sie eben Papa anrufen, damit er kommt und uns abholt. Die Kleinen dürfen ja noch nicht alleine nach Hause gehen und ich muss jetzt echt in die Schule.“