Wie man es macht…

Da will man Leute motivieren und sie anspornen, schnell und effizient zu arbeiten und reicht Kaffee und Kekse und ein paar nette Worte samt eines Lächelns dazu…

… und dann hat man plötzlich einen Klempner auf dem Badewannenrand sitzen, der ein Kaffeekränzchen macht, mit seiner Frau am Telefon einen kleinen Plausch hält und sich freut, dass ich „ihn nicht so hetze, wie manch andere Kunden“.

*Peitscheraussuch*

Diskrepanzen

Ich habe schlecht geschlafen. Nicht zu wenig, nicht unterbrochen, einfach nur schlecht. Ich habe zu tief geschlafen, kam weder aus dem Traum noch aus dem darauf folgenden Trauma heraus. Das Mantra bleibt jeden Morgen gleich. Du wolltest es ja so.

Was klingt wie eine barsche Zurechtweisung ist nicht nur ein Appell an meine Disziplin, überhaupt aufzustehen, sondern auch immer und immer wieder eine Erinnerung an etwas, das mir nie genommen werden konnte.

Freiheit.

Wahlfreiheit.

Es gab diesen Punkt in meinem Leben, früh schon, an dem ich mich für das Weitermachen entschieden habe. Auch für das Muttersein. Ich ging es an wie alles, wovon ich keine Ahnung habe. Ich lese darüber. Und ich sehe Videos. Vieles kannte ich schon von früher, als ich diese Heile-Welt-Familien-Serien gesehen habe. Oder auch Chaotische-Familien-Serien. Internet hatte ich damals noch nicht, also schusterte ich mir aus dem wenigen, das ich hatte, ein Bild davon zusammen, wie eine Familie war. Wie sich eine Mutter verhielt. Und wie nicht. Zu diesem Bild gehört, dass man morgens keine Familienmitglieder zusammenschlägt, weil man schlecht geschlafen hat. Auch wenn dieses Bedürfnis in mir ist. Und ich mehr als nur den Mechanismus dahinter kenne.

Es bessert sich. Nicht der Drang, der ist nach wie vor gleich stark. Aber ihn zu akzeptieren, wo ich früher verleugnen wollte. Verleugnen klappt niemals. Also liege ich da und kann die Gedanken betrachten, ohne schreiend wegzurennen oder ihnen nachzugeben. Hallo Gewalt. Guten Morgen. Ich muss jetzt aufstehen, aber es ist okay, wenn du da bist. Ja, auch wenn du Kopfkino machst. Ist in Ordnung. Aber ich mache nebenher eben Frühstück.

Ich muss eine Kürbisschnitzparty vorbereiten und bespaße Kinder und werde nachher weitere aus der Schule in Empfang nehmen und denke bei all diesen Aktivitäten täglich an Gewalt, , Demütigungen, Missbrauch, Alkoholismus… die Liste ist endlos. Und je größer die Kinder und ihre Freunde werden, desto wahrscheinlicher sind auch Trigger. Und wenn es nur eine jugendlich leichtfertig dahingeworfene ironische Bemerkung ist, die jeder ohne Hintergrund zum Schmunzeln finden würde, wenn er nicht gerade schon einmal fast totgeprügelt worden wäre.

Jede Stunde, jeden Tag. So müde, manchmal.

Aber auch das gehört dazu. Ihnen ihre Unschuld lassen.

Es wird besser. erträglicher. anders.

Versehrte Elternschaft

Gewöhnt man sich irgendwann an den Tod?

Ich hätte es jedenfalls nicht für möglich gehalten, jeden Morgen freudestrahlend Kindern hinterherzuwinken, Seite an Seite mit einer ganz wunderbaren Frau und dann ab dem Moment, in dem wir uns einander zuwenden, über ein totes Kind zu sprechen.

Es ist nicht mal seltsam, es … ist … einfach.

Wir sprechen über unsere insgesamt 7 Kinder.
Und eines davon ist nun mal leider tot.
Warum sollte es von unseren Gesprächen ausgenommen werden?

Es ist eine sehr herausfordernde Achtsamkeitsübung und ich erkenne, erahne in Bruchteilen, welche Last die Eltern tragen, denen ein Kind von der Seite gerissen wurde, das lange Zeit Bestandteil des Lebens war.

Es ist etwas ganz anderes, als ein Kind vor der Geburt zu verlieren. Nicht schlimmer, nicht besser. Anders. Ganz anders.

Unsere großen Töchter sind gleichalt.
Gewesen.
Ihre bleibt in diesem Alter stehen.
Meine wird älter. Zwei Geburtstage bereits.

Und ich fühle die Sehnsucht in den Fragen zu ihrem Alltag. Ihr Blick ermöglicht auch mir eine ganz andere Sichtweise auf meine Tochter. Ich sehe sie oft durch ihre Augen. Durch die Augen einer Mutter, die diesen Lebensabschnitt ihrer Tochter nie sehen wird. Die nicht erleben wird, wie aus dem Kind eine junge Frau wird.

Verdammt, auf ewig ein Kind zu bleiben.

Der Tod verrät gleich in zweierlei Hinsicht.

Nicht nur, dass er das Leben beendet, er beendet auch den Abnabelungsprozess. Den der Eltern vom Kind. Loslassen ist ein schmerzhafter und langer Prozess, der durch den Tod nicht beendet oder verkürzt werden kann.

Ein Kind erwachsen werden lassen, die Elternschaft ein Stück weit loszulassen… dazu braucht es vor allem eines: ein lebendes Kind.

Manchmal ist Nichts das Beste, das man tun kann…

Das gilt wohl unabhängig von diesem Thema hier in mehr als nur einer Hinsicht.

Das Fieber bei der großen Tochter tat seinen Dienst und ziemlich genau 24 Stunden nach Beginn des Hochheizens auf Höchsttemperatur in der Nacht war der Spuk dann vorbei.

Ich bin einfach dankbar, dass Kopfschmerzen und Co. verschwunden und keine Begleiterscheinungen aufgetreten sind und ich damit unseren zugegebenermaßen äußerst netten und attraktiven Kinderkardiologen erst nächsten Monat wiedersehe, wenn der kleine Tuk mit seiner Untersuchung wieder dran ist.

Der Kobold hat seit Geburt das klassische Drei-Tage-Fieber, wenn der denn mal krank ist, aber wie unser Arzt so schön sagte: das kann auch nur einen Tag dauern. Oder vier. Kind ins Bett oder aufs Sofa und erst wenn die Mutteralarmglocken läuten zum Arzt. Nicht vorher. Dann aber sofort! Ich lieb den Mann. Ich denke ohnehin, dass es unnötig ist, bei laufender Nase einen Arzt aufzusuchen. Ja, auch wenn das Kind zweimal gehustet hat. Und ja, auch wenn es weinerlich ist. Oder nicht gut schlafen kann. Es ist nun mal krank. Das DARF so sein.

Und wenn reichlich schlechte Witze (was liegt am Strand und man kann es nur ganz schlecht verstehen? – eine Nuschel.), lustige Filme und Eiscreme nicht zur Verbesserung des Allgemeinzustandes führen, kann man ja immer noch fahren und vier Stunden in einem stickigen Wartezimmer verbringen, während man zuhause ca. 820 Mal Uno oder Tempo, kleine Schnecke hätte spielen können.

Eine Bekannte regt sich immer wunderbar darüber auf, wenn sie mit ihrer Tochter (laufende Nase, erhöhte Temperatur) im Arztwartezimmer sitzt und Notfälle vorgezogen werden. Sie hat dann jetzt den Kinderarzt gewechselt, bei dem ich immer noch bin, weil ich genau weiß, dass wenn ich in einem Notfall dort anrufe, ich auch fünf Minuten später beim Arzt im Behandlungszimmer sitze. Im Gegenzug bin ich bei normalen Untersuchungen, Impfungen oder Ähnlichem auch gerne bereit, eine Stunde im Wartezimmer zu lesen, wenn ein Notfall vor mir reingerufen wird. Man muss schon wissen, was man will.

Und ja, das war nicht immer so.

Ich erinnere mich an die Situation in der Notaufnahme, wo meine völlig ruhige und müde Tochter beim Arzt hing und versuchte einzuschlafen während ich versuchte, dem Arzt klarzumachen, dass sie gleich sterben könnte, weil sie sich beim Abendessen an Nudeln mit Tomatensauce verschluckt hatte. Verschluckt. Kurz gehustet, alles prima.

Ich dachte über Luftröhrenschnitte und Herzmassagen nach, während ich mein völlig entgeistertes Einjähriges aus dem Stuhl riss und zum Krankenhaus fuhr.

Ja, manchmal ist man so beim ersten Kind. Und ich danke dem Himmel dafür, dass SIE sich daran nicht erinnert und dem Arzt dafür, dass er nicht laut losgelacht hat. Er hat sie sogar abgehorcht und mehrmals mit seriösem Brummen wichtig „hmhmmmm“ gemacht, während er mir versicherte, dass sie keinen bleibenden Schaden davontragen würde…

8

Ich blogge seit knapp 8 Jahren. Mit Pausen dazwischen, die aber kaum mehr als Wochen zählen. Immer trieb es mich, zu schreiben, auch öffentlich, offen, für Publikum, für kein Publikum, für mich, für den Fremden, der ich mir immer sein wollte.

Schreiben ist getrieben werden. Erst durchatmen können, wenn die Worte wie Blut aus mir herausgelaufen waren. Über Folter, Missbrauch, meine Eltern, meine Ehe, meine Kinder, mein Nachdenken, mein Nachsinnen, meine Tiere, meine Freuden, mein Leid. Ausatmen, durchatmen, wenn die Worte endlich vor mir geschrieben liegen, ausgewürgt, geboren, tot. Und doch so lebendig.

Was ich schreibe, belastet nicht mehr so sehr. Schreiben ist loslassen, gehen lassen durch ausformulieren, hier einmal mehr. Ich schreibe Ideen so lange nicht auf, wie ich sie bearbeite, wie sie lebendig sein sollen, wollen, dürfen… Und mit dem, was mich bewegt, ist es ähnlich.

Mehrere Male wurde der Blog mitsamt des Publikums so groß, dass ich nicht mehr konnte, mich angesichts dieser Klick- und Besucherzahlen nicht mehr frei drehen konnte, wenn ich darüber nachzudenken begann, warum die Menschen hier lesen, warum sie kommen, warum diese Zehntausende von Klicks jeden Tag auf meinen Blog führen. Ich machte zu.

Und immer startete ich woanders neu, das Schreiben, das Bloggen trieb. Obsessiv, rastlos, manisch. Ich habe mit jedem Umzug mehr Menschen verloren und konnte in der Leichtigkeit des neuen Kostüms wieder so beginnen, wie damals, vor 8 Jahren. Schreiben, als würde niemand lesen können…

Ich sperre inzwischen oft die Kommentare, etwas, das ich in meiner Anfangszeit nie gemacht hätte. Da glich jeder neue Kommentar einem Adrenalinrausch, einem Glücksgefühl, das seinesgleichen suchte. Man sieht mich, man liest mich. Inzwischen sortiere ich hassdurchtränkte Kommentare aus. So wie ich diese Menschen und ihr Verhalten aus meinem Leben verbanne. Das ist hier nicht anders. Ich will nicht zu jedem Scheiß eine negative Bemerkung hören. Ich will auch nicht gehätschelt werden. Manchmal ist mir jede Form der Kommunikation zuwider. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass ich die Menschen, mit denen ich in wahre Interaktion trete, an einer Hand abzählen kann.

Ich mag die Leichtigkeit hier, manchmal. Ich mag Grüße, ich mag sogar Herzchen, ich mag ein paar nette Worte, die auch abweichender Meinung sein können. Ich mag meinen Blog und ich mag das Bloggen. Es ist aber kein Tor zu Beziehungen zu Menschen. Mein Blog ist für mich. Für meinen Ballast. Für mein Schreiben, für meine Rastlosigkeit, für meine Wut und mein Nachdenken, das in einer sechsköpfigen Familie im Alltag keinen Platz haben kann, so lange diese Kinder noch kleine Sonnen sind, die nur um sich selber kreisen.

Meine Wut… Meine Wut ist so allumfassend, dass sie mir tatsächlich als erstes einfällt, wenn ich darüber nachdenke, warum ich schreibe. War sie immer und ist sie noch. Ich wünsche mir mehr Frieden in mir selber, habe aber inzwischen auch verstanden, dass die Zeit Wunden erst dann heilen kann, wenn man auch bereit ist, sie heilen zu lassen. Zeit vorüberziehen zu lassen. Ich bin nicht mehr so polemisch wie vor einigen Jahren. Nicht mehr so bemüht, ein guter Mensch zu sein. Ich kann akzeptieren, dass ich viele abgrundtief bösartige Anlagen in mir trage, die nicht einfach weggehen, nur weil ich alten Menschen über die Straße oder ihnen beim Einkaufen helfe. Sie sind da. Ich lebe mit dem Hass. Mit der Wut. Mit dem Narzissmus. Mit meiner Persönlichkeit, an die ich eine Diagnose hängen könnte, aber nicht mehr will. Was hilft es mir? Nichts.

Ich bin ich. Und ich bin hier. Immer noch. Immer wieder.

Ich lebe, ich habe nicht mehr nur überlebt, ich lebe, ich plane, ich genieße manchmal, ich bin manchmal glücklich, manchmal froh und ich lache jeden Tag, auch wenn es mal wieder dunkel ist. Ich kann diese Gedanken ansehen und weitergehen lassen. Ich mache sie mir nicht mehr zu eigen, weiß ich doch inzwischen, dass sie nur launische Gesellen sind, die mich von Zeit zu Zeit besuchen um mir das Leben zur Hölle zu machen.

Aber da war ich ja schon.

Erkenntnisse aus dem Urlaub [Nachlese]

Einen Esel bewegt man auch zu sechst nicht vorwärts, wenn er nicht will.

Man bringt ihn auch zu sechst nicht zum Stehen, wenn es Richtung Stall geht.

Ein Marderschaden am Auto ist teuer und meine Tierliebe etwas geschrumpft.

Autodiagnosecomputer können fehlerhaft sein.

Fehlerhafte Fehleranzeigen am neuen Auto zu löschen ist teuer.

Wir haben in Heiligenhafen eine Vertragswerkstatt.

Schimmel in Ferienhäusern ist schlecht für die Gesundheit.

Ungeziefernester in Matratzen sind schlecht für die Schlafqualität.

Eine Kakerlake knirscht komisch, wenn man drauftritt.

Wenn das Wasser von den Wänden läuft, wird auch trockene Kleidung klamm und feuchte Kleidung nicht trocken.

Das Meer ist schön.

Nachdem wir schon eine Stunde nach der Ankunft wieder fahren wollten, sind wir richtig stolz darauf, dass wir bis Donnerstag durchgehalten haben.

Vier Tage später haben wir uns vom Urlaub fast wieder erholt.