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Ich blogge seit knapp 8 Jahren. Mit Pausen dazwischen, die aber kaum mehr als Wochen zählen. Immer trieb es mich, zu schreiben, auch öffentlich, offen, für Publikum, für kein Publikum, für mich, für den Fremden, der ich mir immer sein wollte.

Schreiben ist getrieben werden. Erst durchatmen können, wenn die Worte wie Blut aus mir herausgelaufen waren. Über Folter, Missbrauch, meine Eltern, meine Ehe, meine Kinder, mein Nachdenken, mein Nachsinnen, meine Tiere, meine Freuden, mein Leid. Ausatmen, durchatmen, wenn die Worte endlich vor mir geschrieben liegen, ausgewürgt, geboren, tot. Und doch so lebendig.

Was ich schreibe, belastet nicht mehr so sehr. Schreiben ist loslassen, gehen lassen durch ausformulieren, hier einmal mehr. Ich schreibe Ideen so lange nicht auf, wie ich sie bearbeite, wie sie lebendig sein sollen, wollen, dürfen… Und mit dem, was mich bewegt, ist es ähnlich.

Mehrere Male wurde der Blog mitsamt des Publikums so groß, dass ich nicht mehr konnte, mich angesichts dieser Klick- und Besucherzahlen nicht mehr frei drehen konnte, wenn ich darüber nachzudenken begann, warum die Menschen hier lesen, warum sie kommen, warum diese Zehntausende von Klicks jeden Tag auf meinen Blog führen. Ich machte zu.

Und immer startete ich woanders neu, das Schreiben, das Bloggen trieb. Obsessiv, rastlos, manisch. Ich habe mit jedem Umzug mehr Menschen verloren und konnte in der Leichtigkeit des neuen Kostüms wieder so beginnen, wie damals, vor 8 Jahren. Schreiben, als würde niemand lesen können…

Ich sperre inzwischen oft die Kommentare, etwas, das ich in meiner Anfangszeit nie gemacht hätte. Da glich jeder neue Kommentar einem Adrenalinrausch, einem Glücksgefühl, das seinesgleichen suchte. Man sieht mich, man liest mich. Inzwischen sortiere ich hassdurchtränkte Kommentare aus. So wie ich diese Menschen und ihr Verhalten aus meinem Leben verbanne. Das ist hier nicht anders. Ich will nicht zu jedem Scheiß eine negative Bemerkung hören. Ich will auch nicht gehätschelt werden. Manchmal ist mir jede Form der Kommunikation zuwider. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass ich die Menschen, mit denen ich in wahre Interaktion trete, an einer Hand abzählen kann.

Ich mag die Leichtigkeit hier, manchmal. Ich mag Grüße, ich mag sogar Herzchen, ich mag ein paar nette Worte, die auch abweichender Meinung sein können. Ich mag meinen Blog und ich mag das Bloggen. Es ist aber kein Tor zu Beziehungen zu Menschen. Mein Blog ist für mich. Für meinen Ballast. Für mein Schreiben, für meine Rastlosigkeit, für meine Wut und mein Nachdenken, das in einer sechsköpfigen Familie im Alltag keinen Platz haben kann, so lange diese Kinder noch kleine Sonnen sind, die nur um sich selber kreisen.

Meine Wut… Meine Wut ist so allumfassend, dass sie mir tatsächlich als erstes einfällt, wenn ich darüber nachdenke, warum ich schreibe. War sie immer und ist sie noch. Ich wünsche mir mehr Frieden in mir selber, habe aber inzwischen auch verstanden, dass die Zeit Wunden erst dann heilen kann, wenn man auch bereit ist, sie heilen zu lassen. Zeit vorüberziehen zu lassen. Ich bin nicht mehr so polemisch wie vor einigen Jahren. Nicht mehr so bemüht, ein guter Mensch zu sein. Ich kann akzeptieren, dass ich viele abgrundtief bösartige Anlagen in mir trage, die nicht einfach weggehen, nur weil ich alten Menschen über die Straße oder ihnen beim Einkaufen helfe. Sie sind da. Ich lebe mit dem Hass. Mit der Wut. Mit dem Narzissmus. Mit meiner Persönlichkeit, an die ich eine Diagnose hängen könnte, aber nicht mehr will. Was hilft es mir? Nichts.

Ich bin ich. Und ich bin hier. Immer noch. Immer wieder.

Ich lebe, ich habe nicht mehr nur überlebt, ich lebe, ich plane, ich genieße manchmal, ich bin manchmal glücklich, manchmal froh und ich lache jeden Tag, auch wenn es mal wieder dunkel ist. Ich kann diese Gedanken ansehen und weitergehen lassen. Ich mache sie mir nicht mehr zu eigen, weiß ich doch inzwischen, dass sie nur launische Gesellen sind, die mich von Zeit zu Zeit besuchen um mir das Leben zur Hölle zu machen.

Aber da war ich ja schon.

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