Vielleicht reicht es, wenn es für einen einzigen Menschen einen Unterschied gemacht hat, ob man gelebt hat…
Als ich heute Morgen mit ihr dort stand, auf dem Parkplatz und bei ihrer Erzählung der letzten Minuten ihrer Tochter erst mir und dann wieder ihr die Tränen die Wangen hinunterliefen und alles um uns herum versank, weil nur wir beide dort waren, da waren mir die Leute egal, die Flüstereien, die Blicke, die Fragen in den Augen der anderen Mütter…
Erst als ihr kleiner Sohn mehrfach entnervt fragte, ob sie jetzt mit heulen wieder fertig sei, und ihre Tochter ja schließlich tot sei und fertig, wurde ich unsanft in die Realität zurückgeholt. Meine beiden Kleinen hatten nur stumm zu uns geblickt und instinktiv bemerkt, dass jedes Wort unerwünscht gewesen wäre, doch ihrer hat da wohl eine andere Geschichte zu erzählen.
Sie lächelte nachsichtig und mir wurde klar, dass sie dieses Verhalten kennt. Wie mag das für ein Kind sein, wenn die Eltern um die große Schwester trauern? Welche Trauerintensität und welche Trauergeschwindigkeit hat ein kleines Kind, das noch so egozentrisch liebt und lebt, dass der Verlust des wesentlich älteren Geschwisterkindes keinen übermenschlich großen Einschnitt ins eigene Leben bedeutet?
Und schlussendlich – wie viel kann man seinem Kind nachsehen?
Wird man irgendwann wütend?
Voller Hass, weil das Andenken an ein Familienmitglied nicht so gewürdigt wird, wie man es selber brauchen würde?
Wie geht man damit um, wenn man aus den Reihen der eigenen Kinder Gleichgültigkeit für diesen Tod erfährt?
Wenn da kein Platz mehr ist für die eigene Trauer?
Und irgendwann, in einiger Zukunft auch kein Platz mehr für die Erinnerung?