Ich kenne die Frau im Spiegel nicht.
Sie sieht alt aus.
Müde.
Aber vor allem alt.
Als wäre jeder Kindanteil gestorben.
„Die Brotdosen sehen im Moment so traurig aus.“, sagte das Tochterkind gestern.
Und da sie Recht hat, gab ich mir heute Morgen wieder etwas mehr Mühe, etwas zu schaffen, das zum Essen einlädt, statt Essen zu Nahrung zu degradieren.
Ich habe ihr gestern in einer ruhigen Minute erklärt, dass ihr Gefühl sie nicht trügt. Sie legt den Kopf schief, sie fragt mich ständig, ob sie etwas für mich tun kann. Und weil es eines der wichtigsten Dinge in ihrem Leben sein wird, ein gut ausgereiftes Bauchgefühl zu entwickeln und sich auch zu erlauben, ihm zu trauen, nahm ich sie zur Seite und habe in vorsichtigen Worten erklärt, wie es mir gerade geht.
Ich sah das Aufatmen und die Erleichterung. Und verstehe so gut. Nichts geht mehr an die Substanz als ein Gefühl zu haben und dieses durch Verleugnung oder Lüge nicht verifizieren zu können.
Wir bekommen dadurch Kinder, die allem anderen mehr trauen als ihrem Bauch und ihrem Herzen.