Ich schlafe nicht gut. Es geht mir nicht gut. Die Gedanken kreisen.
Nach dem Abschicken des Briefes letzte Woche an die Anwälte meiner Eltern ist es so endgültig. Ich habe mich positioniert, ich habe etwas ausgesprochen, das ich niemals hätte aussprechen wollen und ich habe den blöden Dinosaurier aus dem Wohnzimmer, wo ihn niemand gesehen hat, nach draußen an die frische Luft gezerrt.
Ich vermisse meinen Vater in der ganzen Angelegenheit.
Natürlich klagt meine Mutter mit seiner Vollmacht, und warum sollte er es auch anders handhaben als die letzten Lebensjahrzehnte. Die Hoffnung hüpft wie ein kleiner Teufel auf Speed in meinem Herzen herum und brüllt, dass er mich vielleicht gar nicht verklagen will.
Ich lach dann später.
Er war immer mit allem einverstanden, so lange es ihn nicht beeinträchtigt.
Gleichgültigkeit ist auch ein Gefühl.
Er hatte eine Wahl. Meine Mutter hatte eine Wahl. Sie haben sich beide für ihren Sadismus entschieden.
Natürlich ist es genau das Verkehrte, einem solchen Menschen unter Umständen weinend seine Gefühle zu erklären. Jedes soziale Prinzip des Miteinanders ist hier außer Kraft gesetzt. Ich habe das lange Zeit nicht verstanden. Ich habe mit Ich-Botschaften gearbeitet, habe Gefühle gezeigt und formuliert, bin bei mir geblieben, zeigte mich verletzlich. Und natürlich ist diese Strategie hervorragend im Umgang mit anderen normalen Menschen. Bei einem psychopathisch veranlagten Menschen bewirkt das allerdings genau das Gegenteil.
Tränen erregen.
Leid schafft Lust.
Verzweiflung befriedigt.
Ja, das ist meine Mutter. Durch und durch.
Ein Punkt, in dem viele Sozialarbeiter und Psychologen noch einiges zu lernen haben.
Viele von ihnen sind so fixiert auf ein soziales Miteinander, dass sie in ihrer kindlichen Hoffnung darauf, dass in jedem Menschen etwas Gutes stecken muss, ihr Klientel noch einmal doppelt verraten.