Mit der Anwältin telefoniert, die meine Mutter immer als „Ihre Frau Mutter“ bezeichnet. Bin irgendwas zwischen angeekelt und belustigt. Ich nenne sie ausschließlich beim Nachnamen. So wie es aussieht, geht es Richtung Einigung. Mal sehen, welche Fallstricke in der nächsten Vereinbarung lauern und wie oft ich den Entwurf zurücksenden muss, um das zu erhalten, was ich eigentlich will.
Ich vermute, die Klassenlehrerin des Sohnes hat ein Alkoholproblem. Als wäre das nicht genug, ist sie auch noch eine echte Kackbratze. Das meine ich durchaus nicht so negativ wie es klingt. Sie ist halt ein Besen, der schätzungsweise sehr mit eigenen Problemen beschäftigt ist und sich ungeliebt fühlt. Nur sollte man es solchen Leuten verbieten, mit Kindern in Kontakt zu treten. In einigen Tagen Elterngespräch und wieder werden einige Themen auf den Tisch kommen, die die gute Frau bei den Gesprächen außer der Reihe schon nicht zu bearbeiten weiß. Nächster Halt: Schuldirektor.
Ganz allgemeine Gedanken zu Menschen gemacht. Und ich denke, es lohnt sich nicht, weiter mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Wenn ich den gesamten Lebenslauf eines Menschen auswendig herbeten kann, einschließlich seiner Sorgen, Ängste und Nöte und er sich nicht einmal an meinen Vornamen erinnert, dann zeigt das nur die Ignoranz des Einzelnen. Und Ausnahmen gibt es meines Erachtens nach viel zu wenige. Ausgenommen natürlich die Sensationsgier, die Interesse an meiner Person weckt.
Der Exmann ist fast rührend um mich und mein seelisches Wohlergehen besorgt. So viel Mitgefühl brachte er mir während der gesamten Ehe nicht entgegen und ich vermute, dass wohl doch so etwas wie rudimentäre Dankbarkeit vorhanden ist, dass er weder vor Gericht noch Insolvenz beantragen muss.
Kann ich mir in dem Fall nur leider nichts für kaufen. Ich mache diesen Mist, weil es irgendwo in meinem Wertesystem als „richtig“ gebrandmarkt wurde und dreiviertel meiner Selbst sind 24 Stunden am Tag damit beschäftigt, mich selber als Idiot zu beschimpfen. Rechtlich würde erst mal nicht viel passieren. Aber das kratzt die Moral nicht.
Habe einen Korb gegeben und wurde erneut eingeladen. Schmeichelhaft für das Ego, aber das Misstrauen überwiegt inzwischen. Undenkbar, als attraktiv und begehrenswert eingestuft zu werden, solange ich so schlecht über mich selber denke. Ich vermute, ich bin ein Zwischending aus seelischem Abfalleimer und Vorzeigemutter, die er seinen Kindern nicht bieten kann, weil seine Exfrau seine Tochter im Alter von drei Jahren von ihrem damaligen Freund vergewaltigen ließ.
Mal ehrlich, daneben wirke sogar ich wie Mutter Theresa.
Menschen. Krebsgeschwür dieses Planeten.