Überwindung

Helfen erfordert immer Mut.

Nicht helfen ist meistens einfacher.
Da ist ein Mensch, völlig unbekannt, es kann ein Bettler sein oder jemand, der einfach traurig aussieht. Ein Obdachloser in zerrissenen Lumpen oder eine Frau im Kostüm, der die Tränen die Wangen hinunterlaufen.
Jeder Mensch hat diese Barriere um sich herum, die man mutwillig durchschreiten muss, um ernsthaft zu helfen.
Damit meine ich nicht, einen Euro in einen Hut zu werfen – das ist aber auch nicht die Art von Hilfe, die ich meine, wenngleich ich das nicht abwerten will.

Persönlich werden.

Ein eigenes Stück Herz vorzeigen, das auch verletzt werden kann, wenn man sich irrt. Niemandem steht auf der Stirn geschrieben, dass er Hilfe braucht.
Bis zum Kontakt bewege ich mich auf völlig unsicherem Boden, muss aber diese Barriere überwinden, um überhaupt persönlichen Kontakt herzustellen.

Manchmal ist es ganz einfach.
Manchmal findet man die richtigen Worte sofort.
Manchmal hilft einem die Situation.
Aber manchmal auch nicht.
Und dann wäre es einfacher, vorbeizugehen.
Sich zu sagen, dass dieser in sich gekehrte weinende Mensch sicherlich keine fremde Hilfe braucht, weil es ihm peinlich wäre.
Oder unangenehm.
Dass man ihm vielleicht sogar einen Gefallen tun würde, wenn man so tut, als wäre nichts.

Hilfe muss immer ausschlagbar bleiben.

Es darf immer nur ein Angebot sein, kein Zwang.

Aber die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit einem von Herzen kommenden Hilfsangebot, auch wenn es vielleicht ungeschickt vorgetragen wurde, eine andere Person berühren, wirklich und wahrhaftig berühren, ist hoch.

Es waren nie die großen theatralischen Gesten, die mich berührt haben. Es waren immer die Kleinigkeiten. Ein Lächeln. Ein wirklicher Augenkontakt. Ein Nicken. Ein leise geflüstertes: Bleib.stark. Eine einzelne Träne, die um mich geweint wurde.

Stumm nur, aber sichtbar.

Es sind die Menschen, von denen wir weder den Namen kennen noch ihr Gesicht behalten, die unser Leben verändern können.
Und es ist so leicht, einen Unterschied für jemanden zu machen.
Ein bisschen Licht ins Dunkel zu tragen.

Und so schwer.

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