Nachtigall…

„Boah, nervt mich der Dustin zur Zeit.“

„Der Dustin“ ist im Alter meiner großen Tochter, ein herzensguter Junger, ein Freund meines Sohnes, der von ihm hoch verehrt wird und trotz häuslicher Gewalt und mit Eltern versehen, die gemeinsam den IQ eines Berberteppichs haben, ein wirklicher Lichtträger.

Leider nervt er seine Eltern durch seine Existenz sehr, also muss er, sobald er mit der Schule fertig ist und nach Hause gekommen ist, das Haus verlassen und steht jeden Tag auf dem Spielplatz oben am Berg, bis er abends wieder reinkommen darf und ins Bett gehen muss. Bei Regen, bei Schnee, bei über 40 Grad und bei unter -10 Grad.

Dass „der Dustin“ genau neben seiner Mutter stand, als sie mir das erzählte, trägt sein Übriges dazu bei, dass ich sie nicht besonders gerne mag. Ich zwinkere ihm hinter dem Rücken seiner Mutter verschmitzt zu und er grinst ein bisschen schief. Alles wie immer.

„Und? Weihnachtszeit? Viel zu tun mit den vier Kindern, woll?“

Ich nicke pflichtbewusst und zähle auf, was sie hören will. „Naja, Weihnachten eben. Plätzchen backen, Lebkuchenhäuser bauen, Küche dreimal am Tag saubermachen.“

Und sehe Dustin an, der von einem Fuß auf den anderen hoppst.

Ich lächle. „Und? Schon Plätzchen gebacken und verziert?“ Er lächelt zurück. Seine Mutter schaltet sich ein.

„Woah, nee. Ich back mit dem doch keine Plätzchen. Der schmiert nur rum.“

Dustins Lächeln verschwindet wieder.

„Der saut alles ein. Genau wie beim Kneten. Darf er auch nicht mehr. Einmal hat er mit Wasserfarben die ganze Eckbank nass gemacht. Der ist so ungeschickt. War er immer schon.“

„Hm.“, mache ich ein wenig nichtssagend und entschließe mich, das Thema zu wechseln.

„Wohin seid ihr unterwegs?“

Sie verdreht genervt die Augen. „Ergotherapie. Müssen wir einmal die Woche hin. Die Schule sagt, er kann keine Feinmotorik. Keine Ahnung, wieso.“

Ach. Mensch. Ich hätte da so einen Verdacht.

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