Wie seltsam es mir vorkommt, ihr Verhalten zu beurteilen, sie zu ermuntern, zu trösten, ihr zu helfen, sie zu motivieren, zu relativieren, zu erklären… Als hätten wir in den letzten Monaten Liebestanz eine unsichtbare Linie zwischen uns gezogen, die es unmöglich macht, die bisherige Nähe aufrecht zu erhalten.
Und während diese Linie gezogen wurde, waren wir uns so nah wie nur nach der Geburt. Körperlich, geistig, seelisch.
Mit Vollendung dieser Linie treten wir beide einen Schritt zurück und vergewissern uns, dass wir uns noch sehen können. Können wir.
Ich spüre, wie zart die Grenze ist. Habe in den letzten Tagen einmal unbewusst ihre Stabilität auf die Probe gestellt, als ich das große Kind für eine Nichtigkeit kritisiert habe.
Und habe sofort gemerkt, dass es sich falsch anfühlt. Während die Grenze einer Spinnenwebe gleich mich umfangen hielt, nachgab – meinen Worten nachgab – so kam ich doch nicht an sie heran.
Und fühlte das sehr genau.
Ich sah sie an und merkte, dass ich diese Linie leicht übertreten kann.
Nur ein Stück weiter, nur ein Wort mehr…
Ich zog mich zurück.
Ich rieche die Entfremdung, ich spüre sie, ich sehe sie.
Und staune schweigend.
Kann ihr noch Begleitung schenken, aber nicht mehr an ihr ziehen.
Nicht mehr Er-ziehen.
Sie weiß all das, was mir wichtig war, ihr mitzugeben.
Jetzt nur noch mitgehen.
Langsam. Ein Stück zurückfallen lassen. Vertrauen.