Morgenroutine

„Unterhose!“, brülle ich zum vierten Mal an diesem Morgen Richtung Sohn.

„Schule! Unterhosenpflicht!“, setze ich noch etwas lauter nach.

Die Migränetabletten wirken langsam. Aber immerhin wirken sie.

„Och Mami!!!“

Das Tochterkind will kuscheln. Ich schiebe langsam durch den Flur, eine anhängliche 10jährige an der Hüfte und wedle mit der Unterhose Richtung Kobold.

„Unterhose!“, meckere ich und zieh ihm das Ding auf den Kopf.

„Dann SCHWINGT er aber nicht mehr so schön!“, mault der Sohn zurück.

„Wer schwingt nicht mehr?“, kommt das zerzauste Mottenkind verschlafen aus dem Bett.

„Nichts.“, sage ich.

„Mein Superpenis!“, triumphiert der Sohn.

„Sein Geschlechtsteil.“, murmelt die Tochter pikiert.

Das Mottenkind ist noch nicht ganz wach. „Ich will AUCH einen Penis!“

„Du hast eine tolle Scheide und später hast du riesige Brüste, die du herumschwingen kannst!“, erklärt der Kobold anerkennend.

Gekicher an meiner Seite.

Ich verdrehe die Augen und versuche, das große Tochterkind von mir zu lösen.

„Ich muss die Frühstücksdosen fertig machen, Kind. Fang mal deine Ratte ein.“

„Duhu, Mami?“

„Hm?“, mache ich brummend, während ich uns Richtung Küche schiebe.

„Das Babykätzchen hat gerade ins Badezimmer gemacht.“

Ich schiebe sie entgeistert weg.

„Und das sagst du mir erst jetzt???“

„Ja, so ein bisschen Pipi und Durchfall. Ich hab ne Badematte draufgelegt.“

Ich reiße die Augen auf.

„Du hast WAS???“ Sie duckt sich so ein bisschen und ich starre sie völlig fassungslos an.

„AAAAAAAAAAHHHH, Mami, der schwingt mit seinem Penis nach mir!“, kreischt die Motte empört und ich werfe dem Kobold einen bösen Blick zu.

„Unterhose!“

Das Tochterkind ist inzwischen abgetaucht und ich sehe mir die Bescherung im Badezimmer an. Und putze.

„Ich bin noch so müüüüüüde!“, jammert der Kobold in Socken und Pullover hinter mir.

„Unterhose!“, fahre ich ihn an und setze das Baby in die Badewanne, um das Badezimmer weiterputzen zu können.

„Ahhhhhhh, Mami!! Ich muss ans Waschbecken!!!“

Das Mottenkind kommt mit falsch herum angezogenem Kleid ins Bad und will Zähneputzen.

„Jetzt nicht!“, sage ich und zeige auf den Badezimmerfußboden.

Sie dreht sich um und brüllt Richtung andere Kinder: „Mama sagt, wir müssen heute alle keine Zähne putzen!“

[Ich erleide meinen ersten Nervenzusammenbruch.]

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