Schritte

Die dauerquasselnde Mitarbeiterin meines Mobilfunkanbieters textete mich erst einmal mit den vorgegebenen Textbausteinen des Gesprächs zu, bis sie nach einem langen Luftholen erleichtert darüber, dass ich geduldig zugehört und nicht aufgelegt hatte, ihre finale Frage stellte: Ob ich bei diesen Angeboten nach 16jähriger Kundschaft vielleicht meine Kündigung noch mal überdenken wolle.

Meine Güte. 16 Jahre.

Ich lächelte und sagte: Nein.

Als sie fragte, warum ich denn kündigen würde und aus welchen Gründen ich (zur Konkurrenz) wechseln würde und dass ich doch nur ein Angebot auf den Tisch legen solle, sie würden alle diese Konditionen auch so zusichern, musste ich doch sehr schmunzeln.

Ich unterbrach sie das erste Mal in diesem Gespräch und sagte: „Ich wechsle nicht. Ich werde zukünftig ohne Handy leben.“

Es wurde stumm am anderen Ende der Leitung.

Mein Grinsen wurde breiter. Die Entscheidung fühlte sich immer noch so gut an.

Die Pause hielt an. Ich fragte: „Hallo? Sind Sie noch dran?“

„Ja… Oh mein Gott… ähm… Warum? Warum wollen Sie denn ohne Handy leben? Und Internet? Was machen Sie denn dann?“

Diese Fragen waren so bezeichnend für das, wie Menschen heute ihr Leben gestalten und was letztendlich den Ausschlag gab, meine Verträge zu kündigen.

Ich antwortete ihr, dass es sich für mich richtig anfühlen würde und nickte auch weitere Infopost des Anbieters ab, falls ich „doch noch mal Kontakt zur Außenwelt“ haben wolle, könne ich gerne wiederkommen.

Vor einigen Tagen kam meine Tochter zu mir, die mir erzählte, dass man so schlecht mit einigen ihrer Freundinnen reden könne, weil „sie ständig auf ihre Telefone starren“.

„Sie sind gar nicht mehr da, obwohl sie ja doch da sind, verstehst du, Mami? Es ist, als wäre ihr Geist im Telefon und man würde nur mit dem Körper sprechen.“

Ja, ich verstehe. Wenn echte soziale Interaktion zum Störfaktor wird.

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