Schütteln

Wenn das Besuchskind telefonisch angekündigt von einem „netten Onkel“ abgeholt wird, den das Kind „kennt und liebt“ und dieser Mann dann dort steht und das fünfjährige Mädchen sofort die Beine zusammenkneift, die Arme vor der Brust verschränkt und jeder Berührung ausweicht, leise nur, aber ganz klar wahrnehmbar, dann bleibt man hilflos.

Und weil ich völlig davon überrumpelt wurde und nicht sehen konnte, was mich so irritiert, blieb ich einfach neben dem Auto stehen, als er sich schon von mir verabschiedet hatte.

Sah, wie sie angeschnallt wurde und sofort eine Hand zwischen ihre Beine legte, als er am Gurt herumfummelte, ihre Beine streichelte und noch etwas gerade zog und richtete und so viel Zeit brauchte, wie ich allerhöchstens, wenn ich die Füße dafür nehmen müsste.

Das Bild sprang in meine Gedanken und ich konnte es einfach sekundenlang nicht sehen, weil es mir so unglaublich vorkam.

„Mein kleines Frauchen“, sagte er leise und mit zarter Stimme, die so gar nicht zu dem Äußeren passen wollte und sie drehte mit zusammengepressten Lippen den Kopf weg.

Was habe ich gesehen? Alles.

Was habe ich gesehen? Nichts.

Hilflos.

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