Bleibt alles anders

Am Wochenende werden die Kinder wohl ihren Großvater kennenlernen.
Der hat sich nämlich kurzerhand vorhin selber zu uns eingeladen, als er mit dem Mann telefonierte.
Ich bin gespannt, wie es wird.

Da die giftspeiende Frau an seiner Seite, die hier Dinge von sich gab, für die ich jeden anderen verklagt hätte und die dafür sorgte, dass ich den Vater des Mannes zwischen all ihren Beschimpfungen gar nicht hören oder sehen konnte, inzwischen tot ist, sehe ich dem Wochenende sogar sehr zuversichtlich entgegen.
Es ist eine lange Zeit vergangen.
Mir war immer klar, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem sich die Tür Richtung Halbgeschwister meiner Kinder wieder öffnen würde.
Das passiert hiermit.
Er ist das Bindeglied.
Er wohnt mit ihnen zusammen, er ist nun bereit, die Tür auch auf die andere Seite zu öffnen.

Und da inzwischen der giftige Einfluss seitens seiner Frau wegfällt und vielleicht auch die vergangene Zeit das Ihre getan hat, ist ja vielleicht auch die Front auf der anderen Seite nicht mehr so unglaublich verhärtet, so dass wir in die Veränderung langsam hineinwachsen dürfen statt in einigen Jahren zwei pubertierende wütende Jugendliche vor der Tür stehen zu haben, die ihren Vater kennenlernen wollen.

Ich erinnere mich nur mit Ekel an die Zeit damals, in der wir so sehr auf dem Zahnfleisch gingen. Als an den Kindern gezerrt und gezogen und herummanipuliert wurde, dass irgendwann ohne Kraft für einen weiteren Lösungsversuch der Bruch kam.

Und er war endgültig und absolut. Mehr als ich jemals für möglich gehalten hatte. Ich habe in den letzten Jahren, in denen ich mühsam mit dem Exmann um so etwas wie Elternebene gerungen habe und eine Kröte nach der anderen geschluckt habe, um das Richtige zu tun und meiner Tochter ein Vorbild zu sein, oft den Mann und seine Exfrau verflucht.

Sie sind grandios gescheitert. An all den Kleinigkeiten, die nichts und dann doch alles bedeuten und an denen ich mir heute noch manches Mal die Zähne ausbeiße, wenn ich mit dem Exmann kommuniziere (n muss). Damals hatte das alles seine Berechtigung. Aber es ist so viel falsch gelaufen…

Und man kann nicht endlos weit laufen. Nicht ewig.
Der Kreis schließt sich langsam. Und das ist gut.
Ich bin gespannt.

[Und entspannt. Auch wenn ich niemals dachte, in Bezug auf dieses Thema jemals einen irgendwie gearteten Grad an Entspannung zu erreichen.]

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