Gemeinsames Sorgerecht heißt ja für mich vor allem: Entscheidungen muss ich grundsätzlich alleine treffen und wenn es gut war, hat der Ex eine gute Entscheidung getroffen und wenn es schiefgeht, bin ich Schuld, weil ich ihn nicht mehr mit einbezogen habe. Als die Schulwahl anstand, nahmen mein Mann und ich eine Waldorfschule und das Gymnasium hier in die engere Wahl. Wir haben das kommuniziert, wollten diskutieren, als der Exmann da war, aber der erzählte nur von seiner furchtbar schlimmen Schulzeit am Gymnasium und warum er es nicht geschafft hätte und das wäre alles ganz streng und nicht kindgerecht und an der Waldorfschule würde man eh nur seinen Namen tanzen. Er lehnte also beide Vorschläge ab, lehnte eine Diskussion darüber ab und meldete sich nicht mehr.
Das Tochterkind wurde dann von uns am Gymnasium angemeldet und als die ersten Wochen rum waren, der Unterricht zwar straff und anspruchsvoll war, aber das Tochterkind weiter gute Noten nach Hause brachte und Spaß hatte, klopfte sich Ex auf die Schulter und betonte, wie gut seine Entscheidung war. Gab es mal eine Klassenarbeit, die nur mit 1- oder gar mit 2 benotet wurde, fragte der Ex besorgt, wie das denn passiert sei und ob die Schule vielleicht das Kind schikanieren würde. Aber ansonsten alles ruhig.
Das Kind brachte heute das Jahreszeugnis mit nach Hause und dort tummelt sich keine einzige Eins mehr. Nur Zweien. Sie ist jetzt also deutlich „abgerutscht“.
Da er an Zeugnistagen innerhalb einer Stunde über die Noten informiert werden möchte, telefonierten die beiden miteinander und er betonte mehrfach aufgesetzt fröhlich, dass das ja jetzt kein wirklich so schlechtes Zeugnis sei. Das könnte schlechter sein, aber keine Eins… also damit hätte er nun so gar nicht gerechnet. Ich wurde also nach dem Gespräch mit der Tochter ans Telefon gebeten und besorgt wurde gefragt, ob wir das Kind nicht besser vom Gymnasium runternehmen sollten.
Ob es persönliche Probleme hätte. Ob unser Umzug (500 Meter weiter in ein eigenes Haus) damit zu tun hätte.
(Jugendamt! Beratung! Lehrergespräche! Psychologe!)
Uffz.
Das Kind erzählte leider, dass es im nächsten Jahr öfter mal 9 Stunden haben wird und da will er jetzt erst einmal nachsehen, ob das überhaupt rechtens ist.
Immer stur lächeln und winken…