So wie du warst

Ich komme aus einer Welt, in der es keine Gnade gibt.
Kein Grau.
Kein Verzeihen.
Kein Verständnis.
Meine Welt drehte sich um das Schwarz und das Weiß. Um Rache. Vergeltung.
Und nun soll es ausgerechnet ich sein, die dazu ausersehen wurde, diese Dinge mit sich zu tragen?
Ohne Möglichkeit, das Schwarz über das Grau zu decken, noch es mit dem gnädigen Weiß einer verklärten Erinnerung zu bestatten?

Ich? Ausgerechnet ich?

Wo ich kaum atmen kann vor Schmerz, kaum denken vor Verzweiflung… ich? Ich sehe es an, dieses so viel ältere und reifere Ich des Jungen, den ich damals geheiratet habe und jeden Tag stockt mir aufs Neue der Atem ob seiner Attraktivität, Intelligenz und Erfahrung.

Und es wäre leicht, sich in genau diesen Mann zu verlieben.
Zu vergessen, zu verdrängen, zu verleugnen.
Nur das Heute zu sehen.
Und erneut das Unmögliche zu hoffen.
Aber würde ihm das gerecht werden?
Wieviel Unrecht tue diesmal ich uns beiden?
Er ist nicht nur sein Weiß. Er ist auch sein Schwarz und er hat ebenso ein Recht darauf wie ich.
Letztendlich bleibt das mir so verhasste Grau, das ich nie sein noch akzeptieren wollte.
Er. Ich. Wir.

So wie du warst, bleibst du hier
so wie du warst, bist du immer bei mir
so wie du warst, erzählt die Zeit so wie du warst
bleibt so viel von dir hier…

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