Wenn der Postmann zweimal klingelt…

Ich nehme all meinen Mut zusammen, wenn ich dieser Tage zum Briefkasten gehe.

Was wird diesmal auf uns warten? Gericht? Anwälte? Weitere Rechnungen? Privates? Oder doch nur Werbung? Das Klingeln, das keinen Besucher ankündigt, sondern den Postboten, der erst wieder nachsehen muss, wie er das heutige Schreiben nun zustellen muss.

„Oh, das sieht wieder offiziell aus.“, murmelt er entschuldigend, während er die beiliegenden Seiten sortiert und durchliest.

Vom Amtsgericht.
Schon wieder.
Was ist es diesmal?

Ich krame vorsorglich meinen Ausweis hervor und er arbeitet sich noch durch die gerichtlichen Vorgaben, an wen dieser dicke Brief in seiner Hand nun übergeben werden darf.

Als die Tür sich hinter mir schließt, drehe ich den Briefumschlag unschlüssig in meinen Händen und lege ihn auf den Ofen.
Ich will es gar nicht wissen. Ich will das nicht.
In der Küche sortiere ich alle Zutaten für das Mittagessen auf die Arbeitsplatten. Kartoffeln, Möhren, Fenchel, Lauch, verdammt, der Brief…

Ich werfe das Messer auf die Platte und gehe zum Ofen.
Wütend reiße ich den Umschlag auf und versuche zu erfassen, was dort steht.

Ich sehe auf das Datum, an dem die Anhörung stattfinden soll.  Eine halbe Stunde später sitze ich mit dem Mann beim besten Anwalt dieser Welt und lausche dessen tiefem Bass, der mir einmal mehr verfahrensrechtliche Dinge erklärt, die ich eigentlich nie zu brauchen gehofft hatte.

Schreibe einen Kommentar