Generalprobe

Der letzte Besuch vor dem Umzug. Das Jugendamt hat uns ans Herz gelegt, dass wir diesen Besuch auf jeden Fall noch vor dem Umzug der Kinder kurzfristig einschieben, weil auf der Seite der Zusatzkinder große Unsicherheiten herrschen. Verständlich.

Wir waren also das Wochenende über zusammen und haben mit den Kindern recht ausführlich besprochen, welche nächsten Schritte wir nun gehen. Was mit dem Erbe passiert, wer nun was macht und vor allem: Dass sie nun nicht mehr verantwortlich sind. Dass es nun unsere Sache ist, diese Dinge zu entscheiden. Das ist nämlich etwas, mit dem sie all die Jahre aufgewachsen sind. Erwachsen behandelt zu werden und erwachsene Entscheidungen zu treffen. Themen zu hören, die für Kindeseelen Gift sind.

Als größten Fortschritt werte ich den Einkauf mit der großen Tochter und dem Zusatzkind zwecks Zimmereinrichtung. Wir haben uns die letzte Woche ins Zeug gelegt, das Zimmer komplett leer zu räumen, damit sie schon mal ihr eigenes Reich hat. Für sie ist das immens wichtig.

Als ich nach der Farbe fragte, rotzte sie mir sofort ein „Schwarz“ entgegen, aber mir entging nicht die Verunsicherung, die darunter lag. Die Frage, erst stumm, dann leise: „Also. Wenn das geht.“

Und so stand ich mit den beiden gleichaltrigen Mädchen im Baumarkt und erklärte dem Mitarbeiter, dass ich gerne 10 Liter Wandfarbe anmischen lassen würde. Für ein Mädchenzimmer. In einem schönen tiefen glänzenden Schwarz.

Und das Strahlen in den Augen des Mädchens, als es sich das erste Mal in sein neues Bett legte und seinen Blick durch die selbstgestrichene eigene Fledermaushöhle wandern ließ, war echt. Das reicht für den Moment.

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