Irrfahrt

Ja, ich glaube, das ist das richtige Wort für unser Leben zurzeit.

Irrfahrt.

In einem wahnwitzigen Tempo, Ziel unbekannt, mit zwei Passagieren mehr als geplant, ohne Karte fernab jeder Straße quer durch unbekanntes Gelände. Im Dunkeln. Ohne Scheinwerfer.

Das gibt ganz gut das derzeitige Gefühl wieder, mit dem ich morgens aufstehe und abends zu Bett gehe. Unser „altes“ Leben ist ja nicht stehengeblieben, unsere Probleme und Aufgaben aus dem Leben vor den Zusatzkindern sind nach wie vor vorhanden und wollen bewältigt, abgearbeitet und diskutiert werden.

Zusätzlich bauen wir das Haus so um, dass jeder ein eigenes Zimmer bekommt, die Kinder bringen kein einziges Möbelstück mit – das heißt, wir kaufen all diese Dinge und unsere Zahlen sind schon lange rot.

Daneben besuchen wir Schulen, sprechen mit Direktoren, erklären die Situation, und versuchen nebenher, unseren Alltag aufrechtzuerhalten. Das heißt: Sport- und Freizeitprogramm mit 4 Kindern, Klassenfahrten, Tierarztbesuche, Geburtstage, lange geplante Feste, deren Organisation wir im Rahmen unserer Ehrenämter übernommen haben, Arbeit.

Und als ob all das nicht genug wäre, müssen wir nun parallel dazu den Nachlass der Kinder verwalten. Das heißt: Zwei Häuser ausräumen, die auch noch weit entfernt sind, letzte Habseligkeiten der Mutter suchen, damit die Kinder überhaupt Erinnerungsstücke haben, Hausverkäufe organisieren und bis zu diesem Zeitpunkt lustig den Unterhalt dieser Häuser aus unserem Geld finanzieren.

Schulden sind auch noch da, und zwar reichlich.
Diese Verbindlichkeiten zahlen… wir.

Es scheint alles noch nicht genug zu sein.

Und immer, wenn man denkt, man hat es gerade halbwegs im Griff, kommt jemand von irgendwoher und packt noch ein Schäufelchen oben drauf.

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