Ich packe gerade.
Wir fahren heute Mittag los und die letzten Vorbereitungen für Sonntagabend, wenn wir zu Acht wiederkommen, laufen. Ich habe die Betten der Kinder bezogen, das Zimmer deiner Tochter ist soweit fertig, dass sie sich zurückziehen kann, sobald sie hier ankommt. Das Zimmer deines Sohnes hat bislang nur ein Bett und einen Schreibtisch – er hat Großes vor bezüglich der Zimmergestaltung (neongrün! neonblau! neonorange!) und das werden wir in den Sommerferien umsetzen.
Sie packen ebenfalls. Wir haben diese Woche oft telefoniert und auch sie liegen in den letzten Zügen zum Neubeginn. Sie müssen sich verabschieden. Die Pflegefamilie ist wirklich großartig und macht das gut. Auch mit dem Abschied.
Vier Monate waren sie nun da. Mitte Februar bist du ins Hospiz gezogen und sie zur Pflegefamilie. Nun ist es Ende Juni und sie kommen hierher. Und wir dürfen endlich ein Zuhause für die Beiden sein.
Übermorgen holen wir sie ab und bis dahin werden wir dein altes Haus ausräumen und hoffen so sehr, dass wir noch Unterlagen finden. Bankunterlagen, besonders. So wie es aussieht, hattest du keine Lebensversicherung und nach aktuellen Hochrechnungen wird der Verkauf der Häuser gerade mal reichen, deine ganzen Schulden zu bezahlen. Ich habe Kopfschmerzen deswegen.
Wir hängen da finanziell tief drin, weil der Mann als Vormund der Kinder das Erbe angenommen hat. Mit der Entscheidung des Vormundschaftsgerichtes haben wir den ganzen Mist nun an der Backe.
Das heißt: Was auch immer an Gewinn übrig bleibt, wird für die Kinder festgelegt, damit sie nach ihren Ausbildungen an das Geld kommen. Was auch immer an Schulden übrig bleibt, müssen wir tragen. Wir persönlich.
Ich hoffe inständig, dass du dir Gedanken über solche Dinge wie Absicherung gemacht hast und wir diese Dinge heute Abend finden. Wenn nicht, sind die nächsten schlaflosen Nächte dann unsere. Ich verspüre körperliches Unwohlsein bei dem Gedanken, dass wir deine gesamten Sachen durchsehen müssen. Aber wir müssen das Haus für den Verkauf ausräumen. Wir müssen deine Unterlagen finden und diese Dinge regeln. Und wir haben dafür nur zwei Tage Zeit.
Am Montag geht hier der Alltag los. Zu Acht.
Ich wünschte, ich könnte dich verstehen. Und ich wünsche mir, heute Abend und morgen Dinge zu finden, die mich deine Entscheidungen besser verstehen lassen.