Okay.
Absicherung war also nicht dein Ding.
Du hast dich stattdessen vor deinem Tod heimlich für die Variante All In entschieden. Dir dein Geld aus der Lebensversicherung auszahlen lassen für Dinge, die es komfortabler und schöner machen.
Ich kann das sogar ein Stück weit verstehen.
Das letzte Hemd hat keine Taschen und so…
Aber rechtlich haben deine Kinder nun gerade einen ziemlichen Scheiß an der Backe.
Und wir damit auch.
Wir, unser Anwalt, mehrere Banken und dem Himmel sei Dank sehr kompetente Mitmenschen versuchen gerade alles, um das Schlimmste abzuwenden. Die Schulden werden solange mit jedem Monat um ein Vielfaches größer. Die Null für die Kinder ist unser neues Ziel. Fraglich, ob wir es erreichen können.
Ich habe alles in deinem Haus durchsucht. Es war schrecklich. Deine Eltern wollten das nicht machen. Also haben wir es gemacht. Mit vier Kindern. Man sieht dem Haus an, dass du keine Zeit oder vermutlich auch keine Kraft mehr hattest, dort noch anzukommen.
Ich stell schon keine Fragen mehr.
Du hast alles, was du dort mit hingenommen hast, zwei Monate vorher bewusst eingepackt, um dort hinzuziehen und dort zu sterben. Du wusstest das schon. Und ich weiß, der menschliche Geist ist ein professioneller Verdrängungskünstler, aber so grundlegende Sachen wie die ausufernde Gewaltporno- oder Sexspielzeugsammlung – du warst beim Umzug ins Hospiz noch handlungsfähig. Deine Kinder gingen noch in dieses Haus. Einmal Mülltonnendeckel auf und gut wärs gewesen.
Es ist nicht von dir in diesem Haus gewesen. Keine Bilder an der Wand, keine gerahmten Fotos, keine Notizen, keine Tagebücher, nichts. Keine Briefe. Kein Schmuck zum weitergeben an deine Tochter, es war einfach nichts. Und jetzt bin ich nach diesen Tagen mit meinen Kindern dort so müde. Wir haben auf dem Fußboden geschlafen, wir haben jeden Tag durchgeschleppt, sortiert, geordnet, ausgemistet, Sachen weggeworfen.
Ich kann den Menschen nicht greifen, der dort gelebt hat, aber das hast du ja auch gar nicht richtig. So ist deine Pornosammlung das, was mir nun nachhängt. Das ist nicht das, was ich zu finden erhofft hatte.
Ich bin müde. Als ob wir nicht auch so schon genug bewältigen müssten.