Wunderheilung

Das kleine Kind bekommt urplötzlich UNFASSBARE Schmerzen an der neu einegsetzten Zahnkrone bis ich zum Telefon greife, um Dr. Batman anzurufen.

Butz blickt mich entsetzt an. „Was … was machst du denn da? Ich dachte, dann kann ich einfach einen Tag zuhau… Oh. Ach! Kuck! Jetzt lässt es schon wieder nach!“

Käfigkämpfe

Bei Butz erreichen die obligatorischen Schulhofprügeleien während der Pubertät anscheinend noch mal eine ganz eigene Qualität:

„Zwei weitere Tritte gegen mein Schienbein und eine unflätige Beschimpfung später spürte ich ein Übermaß Wut über meine von ihm zerissene Hose in mir aufsteigen und entschied mich, ihm mit meiner linken Faust…“

Auftritt Kobold: „Bist du suspendiert worden?“

„Nein, natürlich nicht. Wir sind doch keine Wilden. Wir haben das nach der Schule gemacht.“

„Anfänger.“

Triumph

Ein Butz hat mit zwei tadellos geschnürten Schuhen das Haus verlassen und ich musste während des Bindens auch nur vier Mal ‚Achte bitte auf deine Ausdrucksweise.‘ sagen.

[Dinge passieren, wenn ihre Zeit reif ist.]

Alltagskompetenzen

Während ich mit dem Butz [12] im Meltdown übe, Schnürsenkel zu binden, kreischt die Motte [15] aus der Küche:

„Ich will was Warmes, was ich nicht Kauen muss!“

Mach dir ein Babygläschen auf!

„Aber das IST KALT!“

[Wenn die schon doppelte IQ-Punkte abgegriffen haben, warum tummeln die sich dann nur in den wirklich seltsamen Ecken des Gehirns und nicht beispielsweise in Regionen, die für eine gewisse … Robustheit beim Lösen alltäglicher Herausforderungen sorgen?]

[Rhetorisch, danke. Wir machen das nicht zum ersten Mal.]

Desillusioniert

Ich sehe nicht, dass es sich rentiert, ein aufrechtes Leben zu leben.

Ich sehe die Dinge, Sozialleistungen, Geld, Spenden, Mitleid, Zuwendung, Geschenke, die Menschen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ergaunern und wie sie jenseits jeder Moral und jenseits des theoretisch vorgegebenen zivilisatorischen Konsens von Ethik und Sozialverträglichkeit nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.

Und es ist nicht einmal, dass mich das überraschen würde. Oder mich in seinem Ausmaß erschreckte.

Ich bin auch heute noch von Menschen umgeben, die so nah am Bodensatz der Gesellschaft überleben müssen, dass sie natürlich andere Entscheidungen treffen als der Großteil der Bevölkerung treffen müsste. Ich kenne Menschen, die klauen, die sich aus Not prostituieren, den Staat bescheißen, die ihre Kinder oder Partnermenschen schlagen, sie anschreien, misshandeln, die betrügen, und lügen, wenn sie den Mund aufmachen. Eine meiner Alltagsaufgaben ist es, diesen Menschen genau dann eine Hand zu reichen, wenn sie mir im selben Atemzug nicht die Handtasche klauen und ich kann das gut.

Ich verurteile das moralisch nicht.

Ich werte nicht. Ich höre und ich sehe und ich kenne den Unterschied zwischen Mensch und Verhalten.

Ich kenne den Überlebensmodus.

So anders und doch so gleich.

Wenn du einen Großteil deines Lebens auf deine Amygdala heruntergebrochen wirst, denkst du nicht mehr nach.

Du tust Dinge.

Und ein Wertesystem ist für die moralisch privilegierten.

Moralisches Privileg entsteht aus Sicherheit.

Und genau hier ist der Punkt, der mich desillusioniert. Wenn sogar die moralisch Privilegierten entscheiden, ihren Neocortex nur dafür zu nutzen, wie sie ihr Leben maximal komfortabel gestalten können, wie sie andere ausnutzen, um Geld erleichtern, wie sie auf Mitleid spielen und persönliche Vorteile aus einem wackeligen Lügengebilde erfahren, wo genau ist der Sinn, dass es einen anscheinend nur verschwindend geringen Teil Menschen gibt, die sich bemühen, genauso nicht zu sein?

Do what is right. Not what is easy.

Es scheint mir immer mehr ein Spruch aus einer Fantasiewelt zu sein, die ich mir zurechtgezimmert habe, weil ich daran glauben wollte, dass es tatsächlich einen nicht unerheblichen Bruchteil an Menschen gibt, die nach dieser Maxime ihr Leben gestalten wollen. Nicht perfekt, aber bemüht. Wenn ich mich in nächster Umgebung umblicke, brauche ich nicht einmal alle Finger einer Hand zum zählen. Und wer weiß schon, welche Leichen im Keller diese Menschen verbergen.

Vertraue niemandem. Alle Menschen lügen. Immer.

Soll ich also in meinem Leben wirklich so weit gekommen sein, um letzten Endes zu erkennen, dass wir als Menschheit unterm Strich genau so sind, wie meine Herkunftsfamilie immer prophezeit hat?

Korrupt, moralisch verkommen und nur auf den eigenen Vorteil bedacht?

Und warum sollte ich dann an mein eigenes Verhalten andere Maßstäbe anlegen, wenn es mir doch hierbei nur zum Nachteil gereicht?

Ich kann die Zwischentöne gerade nicht mehr sehen, während alles, was nicht weiß ist, ins Schwarz rutscht.

So unendlich traurig über Erkenntnisse, die schon immer da waren.

Verfall, moralisch

Ich möchte gerne wissen, wer Harley Quinn Kostüme für fünfjährige Mädchen herstellt und ihn mit einem Ethikbuch schlagen.

Wir leben in einer moralisch so verkommenen Zeit, in der es out ist, Fehlverhalten als das zu brandmarken, was es ist.
Denn wenn es für alles Gründe und Entschuldigungen gibt, muss niemand mehr die Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen.

Das nennen wir dann Toleranz.