Vitamin B

Die Kriegerin mustert mich kritisch.

„Warum genau müssen wir das hier gerade ertragen? Warum besorgst du dem Kobold nicht einfach was über deine Beziehungen?“

Ich möchte mit den Leuten gerne befreundet bleiben, Süße.

Geschwisterhilfe

Die Kriegerin beugt sich interessiert über die Arbeitsplatte zum Kobold und diktiert:

„Schreib: Unbelastet von der Bürde des Intellekts biete ich Ihnen…“

„Warte, warte, nicht so schnell, Intellekt mit ck?“

„Ja, natürlich!“

MOTTE! LASS! SOFORT! DEINEN BRUDER IN RUHE!

„Orrrr.“

[Uroma hätte jetzt gesagt: Alle in einen Sack und drauf. Man trifft nie den Falschen.]

[Kinder abzugeben. Jedes kommt mit dem charakterlich passenden Labrador.]

immer mit der Ruhe

„Ich hab gedacht, ich schlafe erst mal aus, damit ich frischer klinge!“

Du hörst dich seit der Pubertät an, als würdest du seit 40 Jahren trinken und Kette rauchen?!

„Ja, aber im Vorstellungsgespräch klinge ich dann wie ein ausgeschlafener kettenrauchender Alkoholiker.“

Intimität

Wahre Intimität ist nicht die Art von Nacktheit, für die ich sie früher hielt.

Sie blickt so viel tiefer.
Sie ist die Umarmung mitten in der Nacht, wenn jedes Wort zu viel wäre.
Sie ist das Wissen um all unsere Schwächen und die Akzeptanz dessen, was man sieht.

Sie ist Vergebung und Nachsicht gleichermaßen.
Sie ist das Werben um das, was man schon besitzt. Nie vergessend, welche Kostbarkeit man in Händen hält.
Sie ist der Blick auf das, was jedem anderen verborgen bleibt. Die rohe und hässliche Fratze eines jeden Menschen wertungsfrei sehen könnend und trotzdem nicht zurückzucken.

Wahre Intimität findet dort statt, wo sich zwei Menschen trotz des Wissens, dass ein falsches Wort in dem Maße verheerend wäre, dass es nicht wiedergutzumachenden Schaden anrichten würde, in vollem Vertrauen darauf, dass ebendies nicht geschieht, verwundbar einander öffnen.

Sie ist die Blöße, die man sich erlaubt, um einem anderen Wesen einen Blick auf die eigene Seele zu ermöglichen.
Die Angst, die damit einhergeht wird gespeist aus der Fatalität, die jede Verwundung verursachen würde.

Hier ist kein Platz für Kampf. Nicht für Spiel, nicht für Koketterie, nicht für Ego.

Nur Offenbarung, Liebe, Vertrauen, Hoffnung, Glaube.

erwachsen

„Unterstützt ihr mich denn weiter, wenn ich keine Arbeit finde?“

Natürlich, Spätzchen. Du kannst hier frei Wohnen mit Heizung, Wasser, Internet und Essen.

„Ich meine so … mit Geld?“

Wer Geld will, muss arbeiten gehen.

„Ich HASSE Erwachsensein!“

[Ich fühle das, mein Kind.]

Kobold goes Arbeitsamt

Da ich den ganzen Morgen schon seinen Telefonaten zuhöre, bitte ich mal um eine Extraportion Geduld für die Mitarbeiter.

„Möchten Sie zum Schwerbehindertenausweis ein paar Röntgenbilder sehen? Nein? Wirklich nicht? Sind Sie sicher? Die sind spektakulär!“

Indiziensuche

Die beiden Blutwerte, die im Falle eines harmlosen Auskommens hätten deutlich erhöht sein müssen, waren dies leider nicht.

Ich habe mir thematisch inzwischen alles angelesen, dessen ich habhaft werden konnte, rutsche alle paar Tage auf der Dringlichkeitsliste ein Stück nach vorne und bin immerhin schon bei Anfang September mit dem Termin. Ich versuche, meine hypochondrische Veranlagung im Griff zu behalten und nicht durchzudrehen. Es wäre schön, die Gewissheit zu haben, dass es jemanden gäbe, der mich im Alltag sehen und auffangen könnte, ohne dass ich dann innerhalb kürzester Zeit entweder ihn regulieren müsste oder wieder alleine mit dem Thema wäre, aber nun gut.

Es ist wie es ist.

Mutterliebe

Gelegentlich verweigert eines der Kinder den Übergang vom Nestling zum Ästling und mit aller Liebe, zu der ich fähig bin, schubse ich dann eben so fest ich kann.