Ich

Wenn man nach einem Haarschnitt in den Spiegel sieht und der erste Gedanke ist ein überglückliches Oh Gott, das bin ja endlich wieder ich!, dann hat man definitiv die richtige Entscheidung getroffen.

Die letzten vier Jahre waren in mehr als nur einer Hinsicht unerträglich. Und irgendwo in all dem Wust aus wirren Gedanken zu Attraktivität und dem würdevollen Altern, der Frage, was noch angemessen und was schon vermessen zu erwarten ist und was es mit mir macht, als Großmutter noch weiter in der Versenkung der Unbedeutsamkeit zu verschwinden, habe ich die Haare wachsen lassen. Wäre doch schön, nicht mehr so aufzufallen, wäre doch an der Zeit, mal wieder lange Haare zu tragen, wäre doch irgendwie würdevoller, mit schwarzgrauen langen Locken den Oma-Look zu kultivieren statt irgendwann vielleicht damit konfrontiert zu werden, nicht altern zu wollen, nicht so, wie Gesellschaft und Patriarchat es vorgeben.

Die Haare sind bei mir immer Symbol des Seins und Werdens, der sichtbare Teil dessen, was mich innerlich umtreibt und so wundert es nicht, dass ich nur wenige dauerhafte Perioden meines Lebens über einfach nur lange Haare hatte. Und mit jeder Strähne, die fiel, wurde meine Seele leichter.

Da bin ich noch, beim Blick in den Spiegel.

Auch wenn mich sonst keiner sieht, ich habe mich selbst wiedergefunden.

Verstummt

Und wieder wird unterstellt. Wieder missverstanden. Der eigene Anteil geleugnet. Wieder angegriffen. Wieder das eigene Narrativ wiederholt, der eigene Mechanismus ausgelebt, als wäre alles, was ich je gesagt habe, irrelevant. Und wenn all meine Worte nur gehört aber nie verstanden wurden, was bleibt dann noch?

Nur noch Stille.

Bias

Erstaunlich, dass ein Mensch versucht, mich körperlich einzuschüchtern, wenn ich dasselbe Verhalten zeige wie er – und diese Person andersherum völlig unbeirrt damit weiter macht.

Aber wahrscheinlich missverstehe ich wieder die Intention.

Pause

Wenn jemand das Ausdrücken meiner Verletztheit, meinen verbalisierten Schmerz und meine Intensität als „Gemecker“ bezeichnet, dann sind bei mir relativ schnell die Schotten dicht. Und wenn jemand eine Pause davon braucht (wovon? Von der Unverschämtheit, dass ich meine Bedürfnisse kommuniziere, dass ich konstant benenne, wenn ich mich nicht sicher, nicht gesehen und nicht verbunden fühle und meinen Schmerz alleine trage?), dann bekommt er eine dauerhafte Pause von mir.

Ich bin als Kati light nicht mehr verfügbar.