Zäääh.

Es zieht sich. Ich habe in der Zwischenzeit davon Abstand genommen, sehnsüchtig seufzend hinter dem Garten zu stehen und vor Sehnsucht zu vergehen. Ich fahre am Tag höchstens noch so 3 oder 4 Mal daran vorbei. Werde dabei aber nur geringfügig langsamer oder halte allerhöchstens mal ein Minütchen, während aus der zweiten und dritten Sitzreihe ein leicht genervtes Mamaaaaaa… kommt. Wir schneiden Zahlen von unserem Wie-oft-wir-noch-schlafen-müssen-Streifen ab und sind immer noch bei weit über 50 Mal abschneiden und schlafen. Ich bin ungeduldig.
Der Mann warf meine Efeusetzlinge weg, weil er sie für abgeschnittene Erdbeerstrünke (!) hielt. Tage, an denen man über Trennungsjahre nachdenkt. Ich habe mich dann für Gartenverbot entschieden. Der Mann darf den Garten ab Mai nur noch in fachkundiger erwachsener Begleitung betreten.

Herr Honig wird größer und verständiger und spricht nach wie vor kein einziges Wort, auch wenn ich in langen Monologen darlege, warum es von solch großem Vorteil wäre, nun mit sprechen zu beginnen.
Die Pubertät hat mehr als nur angeklopft und ich stehe jeden Tag vor diesem fragilen Tochtergeschöpf, das anscheinend die Last dieser Welt auf sich geladen hat, nur um kurz darauf wieder in infantile Verhaltensweisen zurückzufallen. Schön kann das nicht sein.
Für mich allerdings auch mehr als verwirrend.

Der Kobold ist ein Fußballer. Und ich muss gestehen: ich hab’s ihm nicht zugetraut. Das Kind, das bei einem Splitter in Ohnmacht fällt, bei Blut Panikanfälle bekommt,  noch Monate später zu zittern beginnt, wenn er sich an die Spritze bei Impfungen erinnert und bei jedem Streifen, jeder Berührung, jedem Zusammenstoß mit anderen Menschen aufjaulend zu Boden sinkt, dass mir wildfremde Menschen in Einkaufszentren schon angeboten haben, einen Notarzt zu rufen, weil es sich um eine Herzattacke oder einen epileptischen Anfall handeln könnte, steht im Raum vor dem eigenen Tor und lässt niemanden mit einem Ball Richtung Tor laufen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Der Mann ist begeistert und ich glaub es ihm kaum. Auch der Kobold geht mit einer Nonchalance über an den Kopf getretene Bälle und Fouls hinweg, die seine Schienbeine eines Dalmatiners würdig gestalten, dass ich nur nach Luft schnappen und weiteratmen kann. Als Nebeneffekt komme ich nun leider in Kontakt mit der Spezies Frau und Fußballkindmutter, die die Sonntage auf Turnieren mit meinem Mann dazu nutzen, ihre Brüste an ihm zu reiben und ihn zu fragen, ob er verheiratet ist.

Das Mottenkind blüht im Kindergarten wieder auf. Nach der langen Zeit zuhause geht es endlich wieder weiter und in der ihr ganz eigenen diktatorischen Art hat sie ihre Anhängerschaft wieder erfolgreich um sich geschart. Ich habe Kinder mit derartigem Charisma immer verabscheut, weil meine eigene Herrschaft sich immer auf Einschüchterung gründete. Nun habe ich selbst eines und dackle morgens staunend hinter ihr her und bemühe mich, dieses Geschenk nicht durch meine verqueren Selbstbilder kaputt zu machen. Ich beiße mir auf die Lippen, weil Demut von einem selbstbewussten Menschen deutlich einfacher erfahren werden kann als später aus einem Minderwertigkeitskomplex heraus zu versuchen, so etwas wie Selbstwertgefühl zu entwickeln. Die Katze, die nach 5 Jahren fast so etwas wie sozial ist, solange man sie nicht erschreckt, zu dicht an ihr vorbei geht oder zu lange braucht, sie zu streicheln, wenn sie laut maunzend befiehlt, jetzt beschmust werden zu müssen, weiß noch nicht, dass sie bald einen kleinen tollpatschigen Babykater unter ihre Fittiche nehmen muss.

Läuft, alles.
Und trotzdem scheint die Zeit im Moment stillzustehen.
Zäh.

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