Vom harten Los eines durchschnittlichen Helden in Azeroth.

Wer glaubt, das Leben eines Helden in Azeroth bestünde aus epischen Schlachten, sagenumwobenen Schätzen und grenzenloser Freiheit, die Welt zu erkunden, hat offensichtlich noch nie auf eigene Kosten seine Rüstung repariert.
Bereits um 5 Uhr morgens beginnt in Sonnenfels der erbarmungslose Überlebenskampf.
Seit es Housing gibt, darf der Held wenigstens in seiner eigenen Hütte statt im Gasthaus mit all den anderen Champions der Horde übernachten, aber 5 Uhr ist 5 Uhr. Während die Allianz noch friedlich schläft, kämpft unsere Hauptfigur mit seinem ersten Endgegner: Der eigenen Rüstung. Die sitzt dank täglicher Festmahlzeiten etwas strammer, aber was nicht passt, wird eben passend geatmet.
Anschließend erfolgt die tägliche Begrüßung durch das Haus- und Reittier. Anders als handelsübliche Hunde verfügt dieses über Flügel, mehrere hundert Zähne und eine ausgesprochen mangelhafte Speichelkontrolle.
Danach ruft auch schon die Arbeit.
Unser Held schlägt die Angriffe der Leere schon längst nicht mehr aus moralischer Überzeugung zurück sondern aufgrund ihrer attraktiven Vergütung. Er sammelt Blumen, beutet Bodenschätze aus, erschlägt überdimensionierte Lebewesen und verkauft hinterher all sein Zeug an den Meistbietenden im Auktionshaus.
Abends beginnt endlich die wohlverdiente Freizeit.
Man trifft seine Freunde, betritt gefährliche Dungeons und … stirbt. Was andernorts als katastrophaler Betriebsausflug gelten würde, nennt die Jagdgesellschaft einen gelungenen Gildenabend.
Natürlich darf das gesellige Beisammensein in der Arkantine nicht fehlen. Dort wird geredet, gefeiert, getrunken, gelacht und die mühsam erwirtschaftete Tagesleistung innerhalb kürzester Zeit wieder ausgegeben.
Unser Held endet dort, wo er morgens startete: Pleite.
Um zwei Uhr nachts kehrt er noch heim, deckt liebevoll seinen Drachen zu und morgen geht das Ganze von vorne los.
Denn ob in Azeroth oder anderswo: Man arbeitet den ganzen Tag, gibt abends sein Geld mit Freunden aus und fragt sich anschließend, wo es geblieben ist.
Wenigstens darf man in Azeroth gelegentlich einen Weltboss erschlagen.