Echte Jungs

„Mamimausi…?“ piepst es leise von meiner Seite.

Hmm? mache ich und sehe schon die Sorgenfalten auf der Stirn des Kobolds.
Zwei Tage Schule liegen hinter ihm, zweimal Hausaufgaben, zweimal Stillsitzen, zweimal neue Welt und dann kam das Wochenende.

Und heute ist ein Montag.

„Mami, ich glaube… ich finde das mit der Schule doch nicht so schön…“

Ich nicke verständnisvoll und bleibe bei einem sanften aber bestimmten: „Das ist jetzt deine Arbeit. Hier wirst du jeden Tag hingehen. Du bist jetzt ein Schulkind.“

Er schweigt und trippelt noch so ein bisschen an meiner Seite herum.
Noch 5 Minuten bis zum Klingeln. Ich sehe aus den Augenwinkeln, dass die Frau neben uns ebenfalls große Probleme hat, ihren Erstklässler durchs Tor zu schieben. Die Eltern dürfen nicht mit auf den Schulhof, die Kinder müssen alleine durchs Tor.
Und während ich noch warte, schiebt sie bereits mit sanfter Gewalt ihren Sohn Richtung Pausenhof.

„Mami, schau mal, der Junge will auch nicht in die Schule, die Schule ist total dooo…. das ist ja Tyler!“

Der geschobene Junge spitzt die Ohren und sieht zu uns rüber.
Seine Mutter blickt mich an und ich lächle. Tyler ruft den Namen des Kobolds und stellt sich neben uns.
Die Jungs stecken die Köpfe zusammen und flüstern.
Nach kurzer Zeit sage ich: „Kobold, deine Klassenlehrerin kommt. Ihr müsst euch jetzt auch aufstellen!“
Beide Jungs sehen unsicher zu mir.
Mein Sohn tastet sachte nach Tylers Hand und dieser greift sofort zu und man kann nicht wirklich sagen, wer sich da an wem festhält.

„Machen echte Jungs das denn? Also sich an der Hand nehmen?“, flüstert Tyler.

Der Kobold sieht nachdenklich seinen Freund an.

„Also am Ende müssen wir uns eh an die Hand nehmen wenn wir reingehen. Und dann können wir ja schon mal anfangen. Und wir sind ja Jungs. Und total echte. Und wir haben ja auch keine Angst oder so. Das wär ja wieder was anderes. Ne?“

Tyler nickt bekräftigend. „Ja. Und wir gehen ja jetzt alleine da rein. Nicht wie Babys oder so.“

Der Kobold nickt ebenfalls.

„Komm, wir küssen unsere Mamas nochmal, damit die endlich gehen. Die sind ja immer so…“

Tyler nickt verständnisvoll. „Meine auch, ich küss sie auch nochmal.“

Ich verbeiße mir jedes Lachen, als ich fest gedrückt und geknutscht werde und sehe den beiden hinterher, wie sie da Hand in Hand in die große Schulwelt stolpern.

„Sind die süß oder sind die süß?“, flüstert Tylers Mutter mir zu, als wir wie Deppen nebeneinander stehen und stoisch winken, bis alle Kinder in der Schule verschwunden sind. Ich grinse und finde, dass mein Sohn es mit seinem Sitznachbarn ganz gut getroffen hat.

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