Das Mottenkind läuft seit eineinhalb Monaten. Bei uns gilt die Regel: wer laufen kann, wird weder geschoben noch getragen.
Als wir gestern Richtung Wald liefen, ist mir erstaunt klar geworden, wie unterschiedlich die Kinder diese Anfangslaufzeit bewältigen.
In diesem Laufstadium war es beim großen Tochterkind so, dass sie stramm marschiert ist. Am liebsten an der Hand, immer geradeaus. Die freie Hand zeigte begeistert auf die Umgebung mit einem begeisterten „da!“. Ab und an sind wir stehen geblieben und haben etwas bestaunt und sind dann weitergegangen.
Wir sind gewandert, haben Spaziergänge gemacht, ach, was war das wundervoll.
Ich war fasziniert, wie toll das ist, mit Kind durch die Gegend zu laufen.
Der Kobold war anders. Wie ein Brummkreisel auf Speed rotierte er um mich herum. Hier eine Pfütze, dort ein Grashalm, da hinten ein Stein. Ich lief einen Meter, er lief zehn Meter. Hin, zurück, um mich herum, von mir weg.
Alles mit wehendem roten Haar und lautem Gekreische.
Ich war fasziniert, wie anstrengend es sein kann, einfach nur ein wenig zu laufen. Womöglich noch geradeaus.
Und die Motte? Wir laufen zehn Meter, sie bummelt einen.
Sie läuft mit einer Gemütsruhe, die mich vermuten lässt, dass sie auch ohne weiteres dabei einschlafen könnte.
Jede Ameise wird mit einem begeisterten „Gah!“ begrüßt und die Motte lässt sich auf den dicken Hintern plumpsen, um ebendieser Ameise erst einmal einen Schwank aus ihrem Leben zu erzählen.
Gestern war bemerkenswert, weil wir sie überhaupt nicht animieren konnten, mit uns mitzugehen. Einen halben Meter ist sie weitergelaufen, hat eine Pfütze entdeckt und sich mitten in ihr niedergelassen.
Sich glücklich seufzend direkt hineingelegt und in den Himmel gesehen. Die Nase in den Regen gestreckt, die Augen zusammengekniffen und laut losgelacht.
Und ich bin fasziniert, wie sehr mich dieses Kind das Leben genießen lehrt.