Vermissen

Nichts fasse ich an, ich werde nichts tun. Vielleicht morgen, so Gott mir einen Mann erspart, der am Abend nach der Arbeit alles wegräumt, weil er das Chaos nicht ertragen kann. Mein Chaos.

Meine wirren Gedanken zu Flucht und einem eigenen Leben und Affen und Klopapier und Fruchtzwergen auf dem Flurboden. Wer weiß es schon so genau, wo das Ich aufhört und das Außen anfängt.

Wohnraum als Metapher der inneren Ordnung. Aufräumen als Selbstgeißelung. Bis es blutet. Aber warum ist es wichtiger, sich um das Geschirr als um mich zu kümmern? Mich kann man im Gegensatz zur Wäsche auf dem Fußboden anscheinend in meiner Verzweiflung einfach liegenlassen. So sehr scheine ich in meinem Schmerz zumindest nicht den geregelten Tagesablauf zu stören.

Und ich lese Texte von genervten Müttern, die alle ihr Schicksal beklagen und sich Kinder- und Babyklappen herbeisehnen und ein Leben als Single und ohne Verpflichtung und nicke geistig ununterbrochen mein Hohelied der Verzweiflung, bis der unsägliche Teil kommt, in dem das Kind abends zuckersüß murmelt: Ich hab dich lieb, Mami.
Und alles ist wieder rosa.

Vielleicht ist das die wahre Lüge. Liebe und Zahnpastaschnuten reichen nicht. Nicht hier. Nicht für mich. Nicht mehr. Die Freiheit schreit lautstark nach Befriedigung und die pure Lust pulsiert durch mein Gehirn allein bei dem Gedanken, nicht zurückzublicken.
ur weitergehen. Lauf, Jane, lauf.

Rosa Zuckerwatte klebt nicht alles fest. Ich bin schon in der Phase mit dem Waschlappen und der Seife.

Ich will mein Baby zurück.

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