Zwei Stunden [Pränataldiagnostik]

Flach und bewegungslos auf dem Rücken, mit langsam absterbenden Beinen, ziehendem Ischias, einem Minimum an Atmung und voller Blase lag ich nun da. Unser Sohn war unkooperativ wie immer („das Kind dreht sich sehr ungünstig“, sagte Frau Dr.Dr.Chefärztin sehr vorwurfsvoll – als hätte ich pränatal da durch Erziehung schon irgendetwas ausrichten können…) und wenn die Diagnose 3 lebende Kinder mit Herzfehlern steht, dann will man ja auch beim vierten was finden, so scheint mir.

Zusätzlich ging ihr wohl quer runter, dass das vor drei Jahren geschallte Kind ohne Herzfehler in der Praenataldiagnostik nach der Geburt gleich zwei unterschiedliche davon aufwies und sie das irgendwie persönlich genommen hatte. „Das kann man auch nicht 1000%ig ausschließen“, fing sie pikiert an, als sie ihre eigenen Unterlagen durchsah und ich habe in Anbetracht der Stimmung dumme Witze über nichtkorrekte Nutzung von Prozentzahlen unterlassen, was ich mir nach einer Stunde stillliegen hoch anrechne.

„Ich kann so nicht arbeiten“, mopperte die gute Frau meinen ungeborenen Sohn an, als er sich mal wieder unter dem Druck des Ultraschallgerätes in die andere Ecke der Gebärmutter drehte. Die Motte kicherte leise und erntete dafür einen strengen Blick, der sie kurzzeitig verstummen und danach lautlos weiterkichern ließ.

„Was wollen Sie denn alles nicht wissen?“, platzte es plötzlich aus Frau Dr.Dr. heraus. Psychologisch betrachtet ein echter Killeranfang für so ein Beratungsgespräch (je ausgebildeter, desto ungeschulter im Umgang mit Menschen). 22. Woche und die Frau fragt mich, welche Entscheidung ich lieber nicht treffen will. So ein Blödsinn.
Auf meine Antwort, dass wir das Kind auf jeden Fall bekommen und für jede Vorbereitung in Form von Information im Falle einer Auffälligkeit dankbar sind, zog sie die Augen hoch und verstummte für 15 Minuten. „Nackenfalte im äußersten Normbereich.“

Hm, mache ich und versuche mein Kind durch Zeichensprache davon abzuhalten, den Nachfüllbehälter mit Ultraschallgel in meine Handtasche zu kippen.

„Also schon nicht ganz dünn.“

Ich hm-me wieder und nehme resigniert zur Kenntnis, dass die Motte den Behälter nun als Ganzes in meine Handtasche gesteckt hat.

„Ich würde da ergänzend bei Ihnen eine Fruchtwasserpunktion empfehlen.“

Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Nach 5 Fehlgeburten will diese Frau in meine Fruchtblase pieken, um festzustellen, was uns eh egal wäre?

„Nein.“, sage ich schlicht und warte darauf, dass sie weitermacht. Macht sie aber nicht.

„Ist Ihnen klar, was das bedeuten könnte?“

Hallo?

Wir haben einen kurzen Exkurs über Kinder mit Trisomie 21 hinter uns gebracht, bei dem sie von Vorurteil zu Vorurteil hetzte und ich mich die ganze Zeit einfach nur fragte, in was für einen Zirkus ich da nun wieder geraten bin. Unzufrieden über meine Entscheidung setzte sie missmutig die Untersuchung fort, maulte hier und dort noch ein wenig herum und entließ mich schlussendlich mit dem Fazit, dass mein Kind so dermaßen unkooperativ gewesen sei, dass sie nichts Genaueres sagen könne. Herz soweit ohne Befund, aber da muss man noch mal sehen.

Hmhm, kenn ich schon. Findet sie etwas, muss ich zur Kontrolle, findet sie nichts, muss ich nochmal hin, damit sie vielleicht doch noch was findet.

Ich liebe Ärzte.

[Das Ultraschallgel hab ich dann unten bei der Anmeldung abgegeben]

Schreibe einen Kommentar