Morgen Vormittag wieder. Und diesmal kommt das erste Mal beim Kobold ein Bewusstsein dafür hinzu, was dort eigentlich gemacht wird. Ich bete seit einer Woche unseren Tagesablauf für morgen herunter, so wie ich das mit jedem Termin machen muss, der den geregelten Alltag unseres Sohnes unterbricht, einfach weil… naja, weil er eben der Kobold ist. Nicht einfach, sehr speziell, aber eben unser Kobold.
„Aber Mami-Mausi? Was ist denn, wenn nicht alles in Ordnung ist?“
Ich stutze. In 9 Jahren Kinderkardiologie mit inzwischen 3 Kindern ist das eine Frage, mit der ich eigentlich hätte rechnen müssen, es aber nicht getan habe. Das große Kind ist niemals ängstlich in diese Untersuchungen gegangen, auch nicht, als alle drei Monate aufs Neue über seinen Kopf hinweg über Operationen entschieden wurde. Und so erwischt es mich doch einigermaßen kalt.
Was meinst du, Spätzchen?
„Na wenn was Schlimmes im Herzen ist.“
Es zieht in meinem Bauch. Ich sehe seinen besorgten Blick, sehe meinen Sohn, für den es immer so wichtig ist, alles unter Kontrolle zu haben, dass alles nach Plan gemacht wird und auch nicht einen Millimeter von der gewohnten Vorgehensweise abweicht. Ich kann ihm nicht sagen, dass nichts ist. Ich kann einfach nicht. Dazu ist der Herzfehler nicht irrelevant genug.
Dann sprechen wir erst mal mit Dr.Böhle, antworte ich. Und dann gehen wir erst mal wieder nach Hause.
Ich sehe die große Träne, die er hastig wegwischt. „Ich muss aber nicht alleine dableiben, oder?“
Ich schüttle den Kopf und ziehe diesen wunderbaren zarten Kobold an mich. Ganz klein wird er für einen Moment, ganz mein Baby von früher.
Du bleibst nicht alleine da. Und wenn wir irgendwohin müssen, dann komme ich immer mit dir mit.
Er schmiegt sich an mich, hält mich ganz fest umklammert, bis ich merke, dass seine Anspannung sich löst.
Die zweijährige Motte, die manchmal so viel größer ist als der große Bruder, steht leise daneben und flüstert ihm zu: „Und wenn der Arzt doof ist, dann hau ich ihm was auf die Glocke!“
Ich lächle leise in mich hinein, verzichte auf pädagogische Ansprachen und sehe zu, wie die beiden raufend im Flur verschwinden.
Diese Termine sind nun mal Teil unseres Lebens und es wäre müßig, sie sich wegzuwünschen, weil es nun mal dazugehört.
Aber manchmal… manchmal könnte ich gut darauf verzichten.