Es ist schon seltsam. Da trage ich unser siebtes gemeinsames Kind unter dem Herzen und bereite mich mit jeder Faser meines Körpers auf die Geburt vor, eine Geburt mit dir gemeinsam.
Ich weiß, dass unser Leben sich im Moment ganz grundlegend ändert, dass du dich ganz grundlegend änderst. Und das ist so richtig wie beängstigend. Als ich damals unser erstes Kind unter dem Herzen trug und du noch so anders warst als heute, hätte ich mir diese Worte hier vermutlich nicht träumen lassen.
Wir sind gemeinsam in über sechs Jahren einen unglaublich weiten Weg gegangen. Ich sehe den Mann von gestern, den von heute und auch den von morgen. Lange schon.
Und so sicher wie ich mir bin, dass du der letzte Mann meines Lebens sein wirst, so sicher wie ich mir bin, dich auf ewig zu lieben, so unsicher bin ich mir, ob dein Weg tatsächlich immer parallel zu meinem verlaufen wird. Oder ob du dich in absehbarer Zeit für etwas entscheiden wirst, das dir vielleicht im Moment so unmöglich wie unvorstellbar vorkommt.
Deinen Weg alleine weiterzugehen. Ich werde dich nicht aufhalten.
Genau wie unseren Kindern ist das höchste Gut, das ich dir in Liebe geben kann, deine Freiheit. Flügel, wenn die Wurzeln tief genug verankert sind. Ich merke, wie ich mich lange Zeit schon innerlich auf ein Leben allein mit den Kindern vorbereite. Ohne sagen zu können, wann dieser Zeitpunkt kommen wird. Oder ob er kommen wird.
Es ist gebären, alles dies. Erkenntnis, dass wir mit jeder Geburt nicht nur Leben schenken, sondern es auch gleichzeitig dem Tod übereignen.
So verzweifelt, manchmal. So dankbar, dass es dich gibt.
Dass ich auch im Falle eines Abschieds dieses Stück Weg mit dir gehen durfte.
Heilen durfte.
Dass ein Wort von einer Definition zu einer Bedeutung wurde.
Liebe.