„Aber vielleicht wird er ja gar nicht so einer.“, sagt sie heute Morgen zu mir.
Ich schüttle mich innerlich.
Ihr Sohn trägt Lederjacke, offenes Hemd, Goldkettchen, Baseballcap. Verkehrt herum. Er macht zur Begrüßung eine ungelenke Mischung aus Victory-Zeichen und Stinkefinger. Es sieht jedenfalls sehr cool aus. Nur an der Brustbehaarung muss er noch arbeiten.
Meiner tanzt gerade lachend mit seinem geliebten Hexer-Trägerrock durch den Flur, wirbelt seine beste Freundin herum und fragt, ob sie sich als Prinzessinnen verkleiden wollen.
Ich überlege, ob ich nachfragen soll.
Ich entscheide mich dagegen.
Gerade als ich mich entscheide, sie in ihrer Dummheit alleine glücklich werden zu lassen, setzt sie tröstend nach.
„Aber wenn er schwul ist, wird er ja vielleicht ein berühmter Balletttänzer.“
Es ist eine Schande.
