Liebe… ja was eigentlich…?

Ich weiß gar nicht, was ich dir schreiben soll. Oder ob ich dir schreiben soll. Oder ob es einfach gut ist. Manchmal, da denke ich, ich müsste mich erklären, einen Standpunkt schaffen, eine Aussage, an der wir uns dann entlanghangeln können. Ich wusste nie so recht, was ich von dir halten soll.

Da war so wenig Substanz, so wenig Persönlichkeit, mehr Kopien und Nachahmung und Ideen von dem, was eigentlich ein eigenes Leben sein sollte. Und vielleicht hat es deswegen nie geklappt. Heute, heute ist vieles anders.

Ich sehe lächelnd in deine Richtung und freue mich, dass dein Leben um so viel angereichert wurde. Dass es inzwischen Überzeugungen gibt, die aus dem Herzen gewachsen sind, Moralvorstellungen, die du in dir selbst gefunden hast und schlussendlich Entscheidungen, die du alleine treffen musstest und die dich mehr reifen ließen als ich das für möglich erachtet habe.

Wenn wir uns so vor Jahren kennengelernt hätten, dann hätte ich gesagt: nein, danke. Haben wir aber nicht.

Und so sehe ich momentan voller Sympathie und Liebe auf diese deine Entwicklung, die dich immer weiter von mir wegträgt, weil deine Gedanken für mich nicht nachvollziehbar sind, deine Überzeugungen in meinen Augen unvertretbar und deine Entscheidungen in meinem Wertesystem einfach falsch.

Das mag sich jetzt sehr seltsam anhören, aber ich mag dich so lassen, wie du bist, weil ich dich so lieben und schätzen gelernt habe. Was für mich falsch ist, scheint für dich genau richtig zu sein. Und ich freue mich so dermaßen, dass du ein Leben eingeschlagen hast, das dich glücklich macht, statt suchend in der Welt herumzuschauen, was die anderen machen.

Allein – ich will mich damit nicht mehr auseinandersetzen. Es gibt einfach Dinge, die sich für mich ausschließen. Unsere unterschiedlichen Wertvorstellungen und eine tiefe und innige Freundschaft gehören dazu.

Es war ganz wunderbar, deine Begleitung zu spüren.

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